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"Nur der Klassenerhalt ist nicht erfolgreich"

tlz

Tobias Rameders Handy klingelt nicht. Es summt. Und das eigentlich ununterbrochen.


Jena. (tlz) Tobias Rameders Handy klingelt nicht. Es summt. Und das eigentlich ununterbrochen. Nur kurz unterbricht er, der Hauptsponsor des Fußball-Zweitligisten FC Carl Zeiss Jena, das Gespräch. "Darf ich auch etwas bestellen?" Freundlich lacht Tobias Rameder, Wasser und Grillspieße gibt es beim TLZ-Sommergespräch. Dann legt er auf. "Entschuldigung."

"Ich bin 36 Jahre alt und Single", sagt er lachend. In Oberbayern, besser in Haag bei Wasserburg ist Tobias Rameder geboren. Für Fußball hat er sich nie interessiert. "Mich haben mehr die Räder und die Motoren angezogen", bemerkt er. Diverse Fahrzeuge habe er schon gefahren. Und als einmal ein Lieferant seines Unternehmens zum Fahrsicherheitstraining einlud, hat Tobias Rameder über seinen Geschäftsführer ausrichten lassen, er gebe keine Fahrstunden mehr. Tobias Rameder hat sichtlich Spaß am Leben. "Fußball allerdings ging gar nicht bei mir. Ich habe zwei linke Beine", sagt Rameder. Und einen Hauptschulabschluss. "Nur", wie er sagt. "Dazu bin ich ausgelernter Kfz-Mechaniker." Er weiß, wovon er spricht. Denn Tobias Rameder hat innerhalb von zehn Jahren ein international agierendes Unternehmen auf die Beine gestellt, dabei eine Erfolgsgeschichte nach US-amerikanischem Vorbild geschrieben.



Alles begann in der elterlichen Garage

In Hausen bei Regensburg steht noch heute die elterliche Garage. "Nach vier Jahren als Hauptgefreiter bei der Bundeswehr bin ich zunächst zu meinem Vater in die Firma", erzählt Rameder. Vater Ulrich, heute 61 Jahre alt, verkaufte nebenerwerblich gebrauchte Autos nach Jugoslawien, Sohnemann Tobias half. "Von den ein oder zwei Autos, die wir in der Woche in den Balkan verkauften, schraubten wir die Anhängekupplungen ab", berichtet Rameder. Die lagen dann im Garten, wurden von Ulrich und Tobias Rameder sorgsam entrostet, lackiert und - verkauft. "Tja, so hat alles begonnen. Das war 1995. Wir haben die Teile zunächst nur in der Nachbarschaft verkauft, dann im Wohnviertel, später in der ganzen Stadt. Irgendwann kam der Landkreis dazu, dann Bayern, dann Deutschland", erzählt er stolz. Mit dem Bürgerkrieg in Jugoslawien brach der Markt für die Autos vollends weg. "Und da bewundere ich noch heute den Weitblick meines Vaters, der schon 1995 die Firma im Computer organisiert hat. Er baute Datenbanken auf; und das alles in der Garage. Das war ja damals noch gar nicht absehbar, dass das Computer-Zeitalter eine solche Entwicklung nimmt", erzählt Rameder. Schon 1995 sicherte er sich die Internetdomain www.kupplung.de. Tobias Rameder ist seinen Eltern sehr dankbar. "Meine Mama Ilse hat mal von mir ein hell-beiges Jaguar-Cabrio bekommen", sagt er. Das Auto sei ihr ganzer Stolz - gleich neben dem Filius.

Der Thüringer Dirk Schöler war dann der erste, den Tobias Rameder in seine Firma holte. "Heute ist er Mitinhaber und Geschäftsführer des Unternehmens", sagt Rameder, der mit seiner Firma 1997 nach Thüringen zog. "Die Garage war eben irgendwann zu klein, deshalb suchten wir etwas neues", sagt er. Über die Treuhandgesellschaft kauften Rameder und Co. eine alte Pilzzuchtanlage in Munschwitz, bauten diese um und sorgen heute für die Gewerbesteuerhaupteinnahme von Munschwitz/Leutenberg. Auf der Homepage von Rameder wird die alte Garage gezeigt, daneben das Unternehmensgelände heute. "Viele sagen dann: ´Ufff, das gibt es doch gar nicht.´ Dazwischen liegen nämlich wirklich nur zehn, elf Jahre", sagt Rameder. Aus der Garage sind eine große Lagerhalle für 50 000 Anhängekupplungen geworden, aus drei Mitarbeitern 100. "Und jeder meiner Mitarbeiter kann eine Anhängekupplung anbauen. Auch die Frauen im Call-Center wissen, wovon sie da reden, weil sie es schon selbst gemacht haben", erzählt Rameder. Dieses Fachwissen, da ist sich Tobias Rameder sicher, hat seine Firma zur Nummer eins in Deutschland und Österreich gemacht. Ein großer Konkurrent ist dabei nicht in Sicht. "Es sind die vielen kleinen Wad´lbeißer, die uns das Leben schwer machen", sagt Rameder, der auch auf sein Firmenlogo stolz ist. "Die Hand, die die Anhängekugel hält, das hat mein Vater kreiert", sagt er. Niemals hatte er doppeldeutige Gedanken beim Anblick des Logos. "Bis uns mal ein Unternehmen mit vielen Frauen aufforderte, es zu ändern", sagt er lachend. Das Logo ist geblieben.

In den letzten beiden Partien der abgelaufenen Zweitliga-Spielzeit zierte es gar die Dresse der Zeiss-Kicker. Tobias Rameder ist gern Hauptsponsor des Fußballklubs. "Wir haben in der letzten Saison mit allem drum und dran 1,3 Millionen Euro für Fußball ausgegeben", erzählt er. Nicht einmal zehn Prozent davon seien auf die Werbeaktivitäten Rameders bei Hansa Rostock und dem 1. FC Kaiserslautern gefallen. Dabei ist für Tobias Rameder das Sponsoring an sich nicht das einfache Kaufen der Brust, wie er sagt. "Das sind vielleicht 30 Prozent. Es braucht viel mehr Phantasie, um das Optimale daraus zu machen." Und die Phantasie hat er bewiesen. Mit unzähligen Aktionen erfreute er die vielen Fans des Vereines. Ob 30 Busse nach München, eine Rheinfahrt nach Köln oder Regenjacken für die Zeiss-Fans in Unterhaching, Tobias Rameder war für jeden Spaß zu haben.

Der Name Rameder

Dabei verfolgt er damit ganz eigennützige wirtschaftliche Ziele. "Wir wollten mit unserem Engagement beim FCC nicht den Umsatz steigern. Wir wollten den Namen Rameder in Zusammenhang mit kupplung.de bringen und darüberstellen. Das ist uns gelungen", sagt er. Zwei Tage vor Beginn der Weltmeisterschaft in Deutschland sei ein Kundenberater der Hausbank mit der Idee, beim FC Carl Zeiss einzusteigen, an Tobias Rameder herangetreten. "Vorher war das nie ein Thema. Ich habe dann dem Dirk Schöler erstmal schnell erklärt, was Abseits ist und ihm gesagt, dass es keinen Sinn mache, gleich morgen ins Jenaer Stadion zu fahren, weil die wegen der Sommerpause gar nicht spielen", erinnert er sich. Noch kurz vor dem WM-Finale war die Einigung perfekt, Rameder sollte in Sachen Werbung in ganz neue Dimensionen vorstoßen. Denn davor war die Firma vielleicht nur von der eigenwilligen Radiowerbung mit Dolly Buster bekannt. "Die Dame hat uns damals 20 000 Euro gekostet", sagt Rameder grinsend.

Der FC Carl Zeiss Jena ist Tobias Rameder in dem einen Jahr der Zusammenarbeit ans Herz gewachsen. Doch derzeit kann Tobias Rameder dem Verein kein gutes Zeugnis ausstellen. "Für mich steht die Truppe derzeit auf einem Abstiegsplatz", sagt er. "Ich hoffe aber, dass sich das bis zum Saisonstart noch ändert", fügt er an. Vor Frank Neubarth habe er großen Respekt. "So ein Himmelfahrtskommando sechs Spieltage vor Saisonende zu übernehmen und das Schiff zu retten, das war schon große Klasse", sagt er. "Leider ergab sich für mich noch nicht die Gelegenheit, ihn persönlich kennen zu lernen." Auch Heiko Weber habe Großes geleistet. "Es war grandios, wie er den Verein aus der Vierten in die Zweite Liga gebracht hat. Nur da oben ist die Luft eben viel dünner", meint Rameder, der den letztjährigen Ligaverbleib etwas anders einschätzt: "Nur der Klassenerhalt ist doch nicht erfolgreich. Auf der letzten Rille, im letzten Spiel die Sache zu biegen, das kann nicht das Ziel sein. Wer solche Ziele verfolgt, hat keine Phantasie, keine Ideen. Der Verein gehört auf einen einstelligen Tabellenplatz. Und das ist mit viel Arbeit und Kreativität auch immer machbar", sagt Rameder.

Tobias Rameder wippt mit dem linken Bein, wenn er vom FCC spricht. Sorgenfalten zieren seine Stirn. "So ist der Umgang mit der Traditionsmannschaft ein ganz trauriges Kapitel", sagt er. Die Helden von einst finden schlicht zu wenig Beachtung im Verein, werden nicht gefragt, nicht eingeladen. "Als ich davon erfuhr, habe ich beschlossen, etwas zu tun", sagt er. So stellte er den Sausi Werners und Co. einen Satz neue Dresse zur Verfügung, ganz im Stile der gestreiften Erfolgstrikots 1980/81. "Wir haben die Mannschaft auch eingeladen zum Ehrenamtstag", sagt Rameder. Wenn der FC Carl Zeiss sein Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 austrägt, werden die Jenaer Alt-Internationalen und an diesem Tag geehrte Ehrenämtler zusammen ins Stadion gehen und den FCC anfeuern. "Davor werden sie auch beim gemeinsamen Frühstück und der Auszeichnungsveranstaltung dabei sein", so Rameder. Er tut etwas, das ist ihm wichtig.

"Wissen Sie, wir haben deutschlandweit über 100 Kindermannschaften mit Trikots und Trainingsanzügen ausgestattet, unterstützen Kindergärten, bauen Spielplätze, haben einem Jugendförderverein einen Transporter zur Verfügung gestellt. Wir tun etwas. Doch viele erfolgreiche Unternehmen vergessen einfach ihre soziale Verantwortung", sagt er mit ernster Miene. Als Beispiel nennt er Jena: "Fußball ist sozial. Viele Menschen gehen in ihrer Freizeit dahin. Und was tun die großen weltweit agierenden Firmen an ihrem Standort? Sie engagieren sich zu wenig. Und das weil ihnen die Phantasie fehlt, mit diesen Investitionen Geld zu verdienen. Sie würden damit ihr Image verbessern, ihren Bekanntheitsgrad steigern."

Am Ende der Saison ist Schluss beim FCC

Er spricht auch über den Basketball: "Sehen sie die Probleme mit dem Etat der Jenaer Basketballer. Will man sich wirklich die Chance entgehen lassen einen Basketball spielenden Verein in der BBL, der obersten Spielklasse, zu haben?" So etwas ärgert Tobias Rameder. "Und es ärgert mich, wenn Unternehmen, die viel mehr verdienen wie wir, an ihrem Standort viel weniger tun. Und das trotz ihrer Möglichkeiten." Tobias Rameder nennt es ein Armutszeugnis für Jena, die Region und vor allem für die Politik. "Die sind doch dafür da, Sachen funktionierend zu machen, Türen zu öffnen." Ändern könne er daran aber nichts, Tobias Rameder kann nur selber etwas tun. "Aber auch unsere Möglichkeiten sind nicht unendlich." Und so erzählt er ganz beiläufig, dass ihn ein Jenaer Unternehmen mit neun Millionen Euro Jahresumsatz nach fünf Laptops gefragt hat. "Und weil ich ein netter bin, habe ich sie ihnen gegeben", sagt er und lacht. Und so haben FCC-Klubsprecher Andreas Trautmann und Marketing-Leiter Matthias Härzschel nun auch Laptops zur Verfügung.

Für Tobias Rameder ist nach dem Ende der nun startenden Saison Schluss als Hauptsponsor. "Das war von vornherein so vereinbart, dabei bleibt es", sagt er. Befragt, ob er sich dann bei Erfurt engagieren will, verneint er: "Die können bei RWE noch 100 Jahre Fußball spielen und werden auch dann nicht dort sein, wo wir mit unserem FC Carl Zeiss Jena schon heute sind." Zum Abschied will er die Zeiss-Fans noch einmal verwöhnen mit witzigen und kreativen Aktionen. "Aber erst zum Ende der Saison hin", sagt er. Ideen gibt es längst genug. Die Grillspieße und das Wasser gehören derweil längst der Vergangenheit an. Nur das Handy, das summt noch immer.Tobias Rameder, 36 Jahre alt, engagiert sich seit einem Jahr beim Fußball-Zweitligisten FC Carl Zeiss Jena. Foto: Jürgen Scheere

27.07.2007 Von Michael Ulbrich
 

ch j
http://www.fc-carlzeiss-jena.de
erstellt am 27.07.2007

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