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Tabelle 2010/2011

  Verein S T P
1 Offenbach 6 9 16
2 Hansa Rostock 6 10 15
3 SV Wehen Wiesbaden 6 3 13
4 Eintracht Braunschweig 6 7 12
5 SSV Jahn Regensburg 6 3 12
6 1. FC Heidenheim 6 4 11
7 SV Babelsberg 03 6 1 9
8 Koblenz 6 0 9
9 VfB Stuttgart II 6 3 8
10 SV Sandhausen 6 0 7
11 FC Rot-Weiß Erfurt 6 -2 7
12 Dynamo Dresden 6 -2 7
13 FC Carl Zeiss Jena 6 -7 7
14 1. FC Saarbrücken 6 -1 6
15 Rot Weiss Ahlen 6 -2 5
16 FC Bayern München II 6 -4 5
17 VfR Aalen 6 -5 5
18 SpVgg Unterhaching 6 -7 5
19 SV Werder Bremen II 6 -4 3
20 B'hausen 6 -6 3


Veranstaltungen

Aug. 2010
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Jenas neuer Briefkasten

Sueddeutsche Zeitung

Beim Fußball-Zweitligisten Carl Zeiss Jena will ein russiches Konsortium als Investor einsteigen und in den nächsten fünf Jahren 20 bis 25 Millionen Euro in den Verein pumpen.
Von Christoph Ruf




Wunder mag es immer wieder geben. Allerdings nur recht selten im ostdeutschen Fußball. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass in Jena so merkwürdig unironisch von übersinnlichen Ereignissen gesprochen wird, wenn die Zukunft des Zweitligisten erörtert wird: "Ob das alles wirklich ein Märchen ist?", fragte Präsident Rainer Zipfel am Ende einer zweieinhalbstündigen Informationsveranstaltung über den Einstieg eines russischen Investors - "um das herauszufinden, müssen wir ihm erst eine Chance geben". Immerhin habe man fast ein Jahr Zeit gehabt, sich kennen zu lernen.

Die "Alpha Invest Group Corporation" der beiden Verhandlungspartner Atlan Schischkanow, 40, und Murat Lujanow, 36, sei ein Firmenkonglomerat, das von Moskau aus unter anderem mit Baustoffen handelt, in Kasachstan eine Zementfabrik betreibe und in Deutschland mit der "Heidelberger Zement" einen potenten Geschäftspartner habe. Der Firmensitz sei jedoch auf den Virgin Islands. Über eine Frankfurter Anwaltskanzlei sei der Kontakt zu Carl Zeiss Jena zu Stande gekommen, der Spielervermittler und einstige Profi Sergej Kirjakow (Karlsruher SC, Hamburger SV) sei der Türöffner gewesen.



Abstimmung am 29. September


In den kommenden fünf Jahren will das Konsortium nun 20 bis 25 Millionen Euro an den Verein auszahlen. Für Carl Zeiss, das mit seinem Etat von nicht einmal neun Millionen Euro zu den Habenichtsen der Liga gehört, wäre das der Vorstoß in andere Dimensionen. Vergangene Saison sicherte man sich erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt in der zweiten Liga. Nun glauben viele in Ost-thüringen, dass bessere Zeiten bevorstehen: "Der Investor", sagt Zipfel "will jedenfalls nicht lange in der zweiten Liga bleiben." Doch ohne Gegenleistung wird der Deal nicht zu Stande kommen.

Am 29. September stimmen die Mitglieder über die Ausgliederung des Lizenzspielerbereichs in eine GmbH ab. Ohne diese Satzungsreform würde die Deutsche Fußball Liga (DFL) das Geschäft nicht genehmigen. Wenn sie beschlossen wird, stellt die Alpha Group einen der beiden Geschäftsführer der neuen GmbH. Erstmals in der Geschichte des deutschen Fußballs erhielte ein Investor Mitspracherecht im operativen Geschäft. Rainer Zipfel sieht die Unabhängigkeit des Vereins dennoch nicht in Gefahr. Man behalte ja - wie von der DFL vorgeschrieben - 51 Prozent der Gesellschaftsanteile. Bei einem Dissens zwischen den beiden Geschäftsführern habe man so das letzte Wort.

Doch zuweilen lässt auch der Präsident, ein erfolgreicher Unternehmer, durchblicken, dass er nicht restlos vom Handel mit dem Moskauer Investor überzeugt ist. Man könne eben "nie mit hundertprozentiger Sicherheit für die Seriosität eines Partners bürgen", sagt Zipfel. Auch er wisse, "dass es auf Virgin Islands mehr Briefkästen als Einwohner gibt".

Dass in Jena ein Verein aus den neuen Bundesländern neue Wege gehen will, ist kein Zufall. Den dortigen Traditionsvereinen fehlt die Unterstützung der regionalen Wirtschaft. Wenn sie überhaupt einmal in den bezahlten Fußball kommen, werkeln sie dort mit Etats herum, die kaum konkurrenzfähig sind. Viele Ostvereine versuchen deshalb seit langem, zusätzliche Einnahmen außerhalb ihrer Region zu generieren.

Bereits Ende der neunziger Jahre banden sich viele an den Filmrechteverwerter Kinowelt, der erfolglos Millionen in die Klubs investierte. Erst vor einigen Monaten verhandelte Viertligist Sachsen Leipzig mit einem Salzburger Brausehersteller. Der hatte versprochen, den Verein unter dem Namen Red Bull Leipzig binnen kurzem in die Bundesliga zu hieven. Doch die Österreicher zogen ihr Angebot zurück.



Kontakte nach Dresden?


Da trifft es sich gut, dass man sich in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion derzeit nachhaltiger für den deutschen Fußball interessiert als in Salzburg. Zumal russische Klubs deutlich unerschwinglicher sind als ein deutscher Zweitligist. Jenas Präsident Zipfel weiß dann auch von Kontakten der Alpha Group zu Dynamo Dresden und will die Visitenkarte seines Auer Amtskollegen Uwe Leonhardt im Portemonnaie eines seiner Verhandlungspartner gesehen haben, was Aues Pressesprecher Peter Höhne kurz dementierte: Man habe "niemals mit der Alpha Group verhandelt". Allerdings stehe man "in Kontakt mit einem anderen Interessenten". Auch Volkmar Köster, der im fraglichen Zeitraum noch als Dynamo-Geschäftsführer gearbeitet hat, streitet ab, dass es in seiner Amtszeit Kontakte zur Alpha Group gegeben hat. "Ein Verein verliert unwiderruflich seine Handlungsfähigkeit, wenn ein Investor ins operative Geschäft eingreift."

Auch in Jena ist man sich der Risiken offenbar bewusster, als man das zugibt. "Hätten wir den ersten Vertragsentwurf unterschrieben, hätten wird nicht mehr viel zu sagen gehabt", sagt Zipfel, "doch wir haben zehn Monate lang verhandelt". So manche Frage nach der Unternehmensstruktur scheint jedoch unbeantwortet geblieben zu sein. Schatzmeister Glöckner bereitet das keine schlaflosen Nächte: "Wenn einer 25 Millionen bringt, muss ich nicht jede Tochtergesellschaft von ihm kennen."

(SZ vom10.09.2007)


 
Pressesprecher
http://www.fc-carlzeiss-jena.de
erstellt am 10.09.2007