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Petrik Sander im OTZ-Interview

Nach Abschluss der Saison 2011/2012 sprach Jenas Trainer Petrik Sander mit der Ostthüringer Zeitung über die abgelaufene Spielzeit, Gründe für deren enttäuschenden Verlauf und abzuleitende Maßnahmen für die Zukunft.


Wie oft sind Sie diese Saison am Spielfeldrand verzweifelt?

Wenn Sie 20 Trainer fragen, sind die alle irgendwann einmal verzweifelt. Das gehört zu unserem Job dazu. Aber genauso gehört es dazu, immer eine Lösung im Kopf zu haben.

Wie schätzen Sie Ihre Amtszeit ein?

Das Unterfangen war von Beginn an schwierig. Klar war die zweite Halbserie mit 25 Punkten in Ordnung. Aber es war allen Beteiligten klar, dass es einer Rückrunde eines Aufsteigers bedurft hätte. Sandhausen hat 30 Zähler aus der Rückserie geholt die hätten wir auch benötigt, um drin zu bleiben. Das haben wir nicht geschafft. Dazu war die Mannschaft nervlich nicht in der Lage, uns fehlte das nötige Quäntchen Glück und charakterliche Dinge.

Was meinen Sie damit?

Der Mannschaft haben die Anführer gefehlt, diese Führungsspieler, die auch in schwierigen Situationen den Kopf rausstrecken und Schwächere mitnehmen. Die Führungsspieler waren zu viel mit sich selbst beschäftigt, was die Sache nicht einfacher gemacht hat.

Mussten Sie als Trainer das Team noch stärker antreiben?

In der Kürze der Zeit ist es sehr schwierig, Führungsspieler aus Mitläufern zu entwickeln. Wenn mir ein Führungsspieler sagt, dass er mit sich selbst Probleme hat, dann kann er solche Aufgabe nicht übernehmen.

Haben Sie das vorm Amtsantritt anders eingeschätzt?

Ja. Ich dachte, dass es mehr Rückhalt von den Führungsspielern gibt und sie mehr Qualitäten im nervlichen und physischen Bereich haben. Diese Defizite aufzudecken und zu beheben, hat viel Kraft gekostet.

Wo mussten Sie zuerst ansetzen?

In Ruhe betrachtet, war die Saison nach 16 Spielen vorbei. Der FC Carl Zeiss Jena hatte zehn Punkte, sechs von acht Heimspielen verloren und war körperlich nicht in der Lage, 90 Minuten Fußball zu spielen. Wir hatten 14 Tage inklusive eines Pokalspiels Zeit, an den Stellschrauben zu drehen. Ich bin froh, dass uns das in der Kürze der Zeit gelang. Ohne die vier Punkte wäre es aussichtslos gewesen trotzdem hat sich der Rückstand zur Halbserie auf acht Punkte vergrößert.

Mit dem Wissen von heute: Würden Sie die Aufgabe noch einmal übernehmen?

Ja, ich würde es wieder machen. Meine Personalentscheidungen würden genauso aussehen.

Was würden Sie anders machen?

Ich hätte noch mehr Personalentscheidungen treffen müssen.

Noch mehr Spieler aussortieren?

Es geht nicht nur um Aussortieren, sondern darum, Muster zu durchschauen. Es gibt Spieler, die haben mehr Probleme außerhalb des Spielfeldes. Das schlägt irgendwann auf den Platz durch. Das kann man im Vorfeld nicht erkennen.

Worin lag der Knackpunkt in der Rückrunde, den Klassenerhalt nicht noch zu schaffen?

Als ich die Mannschaft übernommen habe, waren wir Letzter und hatten sogar vier Punkte Rückstand auf Werder Bremen II. Wir haben eine gute Rückrunde gespielt. Aber nehmen wir das Heimspiel gegen Oberhausen. Soll ich Jan Simak einen Vorwurf machen, weil er nicht zehn Zentimeter weiter links geschossen hat, so dass der Ball vom Innenpfosten ins Tor prallt und nicht wieder raus? Das Heimspiel gegen Saarbrücken gewinnen wir wegen eines groben individuellen Fehlers nicht. Und die Führung in Offenbach bringen wir nicht die letzten Sekunden über die Zeit.

Welche Konsequenzen sollte man aus der Saison ableiten?

Man muss aufpassen, welche Art Mannschaft man zusammenstellt. Es bringt nichts, Spielertypen gleichen Charakters für die gleiche Position en masse zu verpflichten, ohne zu beachten, dass es auch andere Positionen gibt. Eine Mannschaft braucht eine gesunde Mischung aus jung und erfahren. Aufgrund der Konstellation haben wir viele junge Leute dabei, die in die Rolle reinwachsen können. Das machen wir nicht erst jetzt, weil es als Leitbild propagiert wird, sondern wir haben es schon getan.

Inwiefern?

Wir hatten Sebastian Fries mit dabei. Marius Grösch und Tino Schmidt wären bei uns viel, viel häufiger aufgetaucht, wenn ich nicht aus Rücksicht auf den Aufstiegskampf der A-Junioren, die in die Bundesliga wollen, auf sie verzichtet hätte.

Wie schätzen Sie das Potenzial der A-Junioren ein?

Es spricht für sich, dass sie um den Aufstieg mitspielen. In den Jungs schlummert Potenzial. Nicht umsonst haben wir sie immer bei uns mittrainieren lassen. Trotzdem müssen wir auf dem Boden bleiben und keine zu hohe Erwartungshaltung entwickeln. Wir müssen die jungen Spieler langsam heranführen und an den Männerfußball gewöhnen.

Suchen Sie nun gestandene Spieler aus der Regionalliga, um das Team zu ergänzen?

Es ist nicht die Frage der Liga, sondern eine des Charakters. Was kann ein Spieler derzeit in die Entwicklung der Mannschaft einbringen? Da spielt es keine Rolle, ob er aus der ersten, zweiten, dritten, vierten, fünften oder sechsten Liga kommt. Die Frage steht: Will ein Spieler seine Karriere ausklingen lassen und von den Meriten der Vergangenheit leben? Oder ist es jemand, der beweisen will, dass ihm anderswo Unrecht getan wurde.

Wen aus dem aktuellen Kader möchten Sie nicht hergeben?

Die richtige Frage ist, wen wir halten können. Wenn ein Spieler ein Zweitligaangebot hat, werden wir nicht zum Zuge kommen. Aber die Spieler müssen sich fragen, ob sie lieber zu einem Verein in das Niemandsland der dritten Liga wechseln und dort womöglich nur auf der Bank sitzen, oder ob sie hier in Jena mit anpacken und den nächsten Schritt machen wollen, um sich noch mehr ins Gespräch zu bringen.

Um wieviele aktuelle Spieler bemühen Sie sich?

Aus drei können sich fünf entwickeln oder sieben. Oder auch umgekehrt. Wir müssen sehen, ob wir zueinander zu finden.

Wie ist der Stand bei Ihren Vertragsverhandlungen?

Wir wissen noch nicht zu einhundert Prozent, in welcher Liga wir spielen. Deshalb brauchen wir doch keine zeitliche Schärfe reinzubringen. Ob das morgen oder nächste Woche passiert, zählt doch nicht.

Hängt es am Umbau des Trainerstabes?

Die Konstellation im Trainerteam vor meiner Zeit war, dass man einen Cheftrainer, einen Co-Trainer, einen Scout, einen Rehatrainer und einen Torwarttrainer hatte. Nichts anderes will ich nun auch, nur teils mit anderen Personen.

Waren Sie nicht zufrieden mit Co-Trainer Miroslav Jovic?

Im Gegenteil: Er hat eine tolle Arbeit geleistet. Aber er hat auch exzellente Fähigkeiten als Scout, hat beispielsweise einen Jungen wie Sebastian Fries entdeckt. Dieses Potenzial des Scoutings ruhte im vergangenen halben Jahr. Wenn wir eine Philosophie mit jungen Spielern entwickeln wollen, braucht es doch gerade die Sichtung, um Talente aus Nischen zu finden. Parallel dazu wird Miroslav Jovic unseren Stürmern im Training viel beibringen.

Wer soll Ihr neuer Co-Trainer werden? Thomas Hoßmang?

Namen kommentiere ich nicht.

Arbeiten Sie schon an Spieler-Verpflichtungen?

Wir führen Vorgespräche. Angesichts der unklaren Ausgangslage ist das unglaublich schwierig. Viele Spieler warten aber sowieso ab, ob nicht doch noch ein Angebot aus der zweiten oder der dritten Liga kommt. Ich sehe aber keinen Termindruck, da es genügend Spieler auf dem Markt gibt.



Das Gespräch führte Tino Zippel (OTZ).
 

Pressesprecher
http://www.fc-carlzeiss-jena.de
erstellt am 23.05.2012

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