Bittere Heimniederlage gegen zehn Zebras

28.09.2019

Trotz 87minütiger Überzahl bleibt der FCC auch im zehnten Saisonspiel sieglos. Nach Bocks Führungstreffer (59.) vor 4.627 Zuschauern vergab man mehrfach die Entscheidung, bevor die Gäste in der Schlussviertelstunde das Spiel drehten. Für Lukas Kwasniok wurde es zum letzten Spiel als Trainer des FC Carl Zeiss.

Lukas Kwasniok schickte seine Elf in einer 3-5-2-Formation aufs Feld, wobei Maranda, Volkmer und Grösch die Innenverteidigung stellten, flankiert von Obermair und Bock auf den Flügeln, während Kircher, Eckardt und Hammann das zentrale Mittelfelddreieck bildeten. Im Angriff agierten Gabriele und Rohr, und letzterer war nach drei Minuten zum ersten Mal im Mittelpunkt des Geschens. Ein mustergültiges Anspiel aufnehmend ging er in Richtung MSV-Tor und wurde von seinem Gegenspieler Sicker von hinten in die Hacken getreten. Da Sicker letzter Mann war lautete die Konsequenz von Schiedsrichter Bokop: Platzverweis. 

Es entwickelte sich in der Folge eine ereignisarme erste Spielhälfte, in der Duisburg die numerische Unterlegenheit durch individuelle Qualität mehr als wettzumachen vermochte und die aktivere, gefälligere Mannschaft war. Den Blaugelbweißen war der mentale Rucksack nach dem Chemnitz-Knockout anzumerken. Mickels aus spitzem Winkel (15.) und Stoppelkamp nach Freistoßablage (18.) auf Duisburger Seite, sowie Eckardt mit Distanzschuss (22.) und Hammann per Freistoß (45.) hatten Tormöglichkeiten, wirklich zwingend waren diese aber allesamt nicht. 

Nach dem Seitenwechsel änderte sich das. Jena agierte nun aggressiver in der Vorwärtsbewegung, erlange mehr und mehr Übergewicht und erspielte sich Torchancen. Die erste freilich legte MSV-Keeper Weinkauf selbst auf. Rohr erlief dessen kapitalen Fehlpass, bediente Gabriele perfekt, doch Jenas Nummer 7 brachte freistehend nur ein unplatziertes Schüsschen zustande. Einen Bock-Knaller nach 54 Minuten konnte Weinkauf ebenfalls mit Mühe entschärfen. Fünf Minuten später aber stand es 1:0. Nach einem Jenaer Eckball unterbindet Obermair den Gegenangriff, der heute sehr starke Kircher bringt den öffnenden Ball auf die rechte Seite, von wo Hammann flankt, Rohr köpft im Zentrum und am langen Pfosten jagt Bock den Ball aus spitzem Winkel in die Maschen. 

Würde es dem FCC gelingen, endlich einmal eine Führung über die Zeit zu bringen? Erneut Bock hatte die Entscheidung auf dem Kopf, von der Lattenunterkante sprang der Ball aber ins Feld zurück (63.). Dann ist es Gabriele, der von Kircher per traumhaften Hackenpass freigespielt wird und den Ball frei vor Weinkauf erneut nicht im Tor unterbringt (73.). Und mitten in Jenas Dauerdruck gegen eine wankende MSV-Mannschaft kontert der Zweitligaabsteiger über die linke Seite, wo Mikkels von mehreren Jenaern nicht zu stoppen ist, auch Glück bei einem Pressschlag hat, seine Flanke von Vermeij per Kopf in den Fuß von Stoppelkamp abgelegt wird, der keine Mühe hat, den Ball über die Linie zu schieben. Es war Duisburgs erste Gelegenheit in der zweiten Halbzeit überhaupt, und es sollte noch schlimmer kommen. Nachdem Günther-Schmidt bei seiner Großchance an Weinkamp scheiterte (77.), verwandelte MSV-Stürmer Vermeij das Paradies endgültig in ein Jammertal. Einen Eckball jagte er drei Minuten vor dem Ende völlig freistehend direkt volley in die Maschen. Jenas demoralisierte Mannschaft fand darauf keine Antwort mehr. Und während Duisburgs Spieler nach Abpfiff einen Sieg feierten, den sie wohl selbst nicht mehr für möglich gehalten hatten, äußerte erstmals in dieser Saison ein größerer Teil des Publikums verbal und lautstark seinen Unmut gegen Mannschaft und Trainer, dessen Tage unter den Kernbergen unmittelbar nach Spielschluss gezählt waren. 

 

Trainerstimmen:

Torsten Lieberknecht: "Wir freuen uns über die drei Punkte. Darüber, dass wir Mentalität gezeigt haben, ein Spiel zu drehen, wo der Sieger lange Zeit Jena war und man das Gefühl hatte, dass Jena das Spiel gewinnen wird. Wir haben dann eiskalt zugeschlagen."

Lukas Kwasniok:  (erschien nicht mehr zur Pressekonferenz)

Klaus Berka: "Wir - das heißt alle Gremien - haben kurzfristig zusammengesessen und die Gremien haben einstimmig beschlossen, dass wir uns von Lukas Kwasniok mit sofortiger Wirkung trennen. Wir sollten trotzdem nicht vergessen, dass wir diesem Trainer verdanken, dass wir noch in dieser Liga sind. Aber wir haben die Kurve nicht bekommen, sondern sind aus dieser Kurve hinausgetragen worden."

Chris Förster: "Das Spiel heute war ein Spiegelbild vieler anderer. Wir waren uns nun einig zu handeln. Auch das Gespräch mit Roland Duchatelet ging in diese Richtung. Ich bin persönlich sehr traurig, da wir einen Trainer verlieren, der mit Herzblut dabei war. Wir müssen jetzt alles tun, den Bock noch umzustoßen und dürfen nicht den Kopf in den Sand stecken. Es braucht künftig eine gute Hand, einen guten Trainer und ein Zusammenhalten aller. Wir müssen die Fans und das Umfeld hinter uns haben und nur so können wir gemeinschaftlich den Bock umstoßen. Wir müssen unseren Weg weitergehen und einen Nachfolger finden, der uns die erhoffte Initialzündung bringt und eine ähnliche Serie wie im letzten Jahr startet." 

FC Carl Zeiss Jena: Coppens - Maranda (87. Skenderovic), Volkmer, Grösch - Obermair, Kircher, Hamann, Eckardt, Bock (65. Günther-Schmidt) - Gabriele, Rohr (67. Jahn)

MSV Duisburg: Weinkau - Compper, Stoppelkamp, Daschner (7. Schmeling), Albutat (79. Jansen), Siker, Mickels, Bitter, Vermeij (90. Sliskovic), Balla, Boeder

Tore: 1:0 Bock (59.), 1:1 Stoppelkamp (75.), 1:2 Vermeij (86.)

Zuschauer: 4.627

Schiedsrichter: Franz Bokop

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