Das FCC-Nachwuchstelegramm - Extra

15.05.2019

Die U19 verpasst den Klassenerhalt in der Bundesliga Nord/Nordost nach bitterer 1:2-Niederlage im letzten Saisonspiel gegen Havelse.

U19
Der FC Carl Zeiss Jena steigt nach einer Saison aus der A-Junioren-Bundesliga Nord/Nordost ab. Das „Endspiel“ gegen den TSV Havelse verlor die Mannschaft im Ernst-Abbe-Sportfeld mit 1:2. Ein Sieg hätte zum Verbleib in der Liga ausgereicht, da der auf dem ersten Nicht-Abstiegsplatz stehende Niendorfer TSV sein Derby gegen den Hamburger SV deutlich verlor. Durch die Jenaer Niederlage bleibt Niendorf Bundesligist und beide Sportfeld-Kontrahenten steigen in ihre jeweiligen Regionalligen ab.

Auch mit wenigen Tagen Abstand überwiegt noch die Enttäuschung: „Wir waren ganz nah dran, aber haben das Ziel verpasst“, sagte Trainer Kenny Verhoene. Der Klassenerhalt sei „absolut möglich“ gewesen. Die Geschichte dieser Partie sei die der vergangenen Wochen: „Wir bestimmen das Spiel, wir kontrollieren den Gegner, aber wir machen die entscheidenden Tore nicht“, resümierte der Trainer und bemühte eine altbekannte Fußballweisheit: „Das Runde muss in das Eckige!“ Nur so gehts.
Dabei mangelte es den Blau-Gelb-Weißen nicht an aussichtsreichen Möglichkeiten; es haperte an der Chancenverwertung. Havelse ging in Folge eines Eckballs in der achten Spielminute durch Mert Samast in Führung. Und tatsächlich gelang den Jenaern, die insgesamt eine – Verhoene: – „richtig, richtig gute erste Halbzeit“ spielten, in der 26. Minute der Ausgleich: Nach einer scharfe Hereingabe von rechts musste Vasileios Dedidis eigentlich nur noch den Fuß hinhalten. Davor und danach haftete den Jenaern jedoch das Pech an den Schuhen: Eric Voufack und Moritz Leibelt trafen nur das Aluminium, Finn Modler brachte aus nächster Nähe eine passgenau Vorlage nichts aufs Tor und immer wieder scheiterte Vasileios Dedidis an TSV-Torhüter Luis Figula. „So etwas habe ich am eigenen Leib noch nie erlebt“, sagte 19-Jährige ratlos über den nahezu 90-minütigen Zweikampf zwischen ihm und Figula.

Die Verzweiflung der Gastgeber erreichte ihren Höhepunkt, als Havelse wieder nach einem Eckball in der 63. Minute durch Luca-Oliver Ehrhardt in Führung ging. Denn eine wirklich gefährliche Möglichkeit aus dem Spiel heraus erarbeiteten sich die Gäste nicht. Die größte Chance zum Ausgleich hatte nur wenige Minuten danach der tragische Held: Vasileios Dedidis versuchte Luis Figula im Eins-gegen-Eins zu tunneln. Das aber witterte der Schlussmann wohl und reagierte blitzschnell. Wäre in dieser Szene das Tor gefallen, hätte der FCC das Spiel in den verbleibenden 25 Minuten zu seinen Gunsten entscheiden können, vermutete der Trainer. Als Schiedsrichter Max Bringmann die Partie schließlich abpfiff, bejubelten die Niedersachsen den Sieg trotz Abstieg. Die Jenaer indes verschwanden rasch in die warme Kabine oder sanken im kalten Regen stumm auf den durchweichten Rasen nieder. „Das war für mich zum ersten Mal ein Moment, in dem die Welt zerbrochen ist. Es war mein bitterstes Spiel bis dato“, sagte Vasileios Dedidis, der seine Tränen, die vom zuvor angesammelten Frust kündeten, nicht zurückhalten konnte.

Vor einem Jahr noch hatte der Stürmer in der letzten Minute des Rückspiels der Aufstiegsrelegation in Lübeck jenes Siegtor geschossen, mit dem der FC Carl Zeiss Jena in die Bundesliga eingezogen war. Auch Max Gottwald hatte damals schon mit auf dem Rasen gestanden; in der Bundesliga führte er das Team als Kapitän an. „Wir haben tolle Charaktere in der Mannschaft. Ihnen als Kapitän voranzugehen, war eine tolle Erfahrung“, sagte Max Gottwald stolz. Natürlich sei von Beginn der Saison an der Klassenerhalt das erklärte Ziel gewesen. Mit "viel Power, viel Freude und Hoffnung" seien sie in die Spielzeit gestartet, sagte er rückblickend.

Dass in der Bundesliga ein anderer Wind als in der Regionalliga wehen würde, wussten die Blau-Gelb-Weißen genau. Das Niveau sei sowohl taktisch als auch physisch höher. „Das ganze Spiel ist intensiver, Pässe, Bewegungen und Gegenspieler sind schneller“, sagte Vasileios Dedidis. Und Max Gottwald resümierte kurz und treffend: „Du spielst gegen die Besten aus Deutschland – das macht den Unterschied aus!“ Im Saisonendspurt hatte die Mannschaft ihre Leistung stetig steigern können. „Gerade zum Ende hin – auch, wenn man das den Ergebnissen nicht angesehen hat und es von vielen Leuten nicht anerkannt wurde – war unsere Spielweise wirklich gut. Das ganze Team hat sich positiv entwickelt“, bilanzierte Max Gottwald und erinnerte beispielhaft an das Duell mit Tabellenführer Wolfsburg, das Jena zwar knapp verlor, in dem der FCC aber über weite Strecken ein Gegner auf Augenhöhe war.
Auch diesmal sei das Stellungsspiel seiner Männer wieder top gewesen, anerkannte Kenny Verhoene. Seit der Partie gegen Niendorf Anfang März sei die Mannschaft immer besser geworden. Insbesondere die Perspektivspieler im Kader hätten einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht, bekräftigte der 46-Jährige. Die Aufgabe als Trainer der A-Junioren bereitete dem Belgier Freude: „Die Arbeit mit den Jungs hat mir sehr gefallen. Und auch wenn das Endergebnis nicht gut ist, haben wir doch eine Mannschaft geformt, die sich enorm weiterentwickelt hat“, sagte Kenny Verhoene.

Nur zu gern hätte die Mannschaft der nächsten A-Junioren-Generation den Startplatz in der Bundesliga erhalten. Das zumindest hatten sich die Spieler im Mannschaftskreis vor dem Anstoß fest vorgenommen. Nun müssen die „nachwachsenden“ Talente, die aus der U17 in die U19 wechseln, zunächst in der Regionalliga Nordost auf die Jagd nach Toren und Punkten gehen. „Natürlich werden wir versuchen im nächsten Jahr die Regionalliga zu gewinnen“, sagte Kenny Verhoene kämpferisch. Und dass die nächste Generation das Zeug dazu hat, Meisterschaften zu gewinnen, haben die B-Junioren des FC Carl Zeiss Jena jüngst erst eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

 

Die Abschlusstabelle der A-Junioren-Bundesliga Nord/Nordost nach 26 Spieltagen:
1. VfL Wolfsburg (67 Punkte, 83:29 Tore)
2. SV Werder Bremen (57, 78:29)
3. RasenBallsport Leipzig (56, 53:19)
4. FC St. Pauli (56, 52:32)
5. Hertha BSC (51, 66:35)
6. Hannover 96 (48, 61:32)
7. Hamburger SV (41, 57:40)
8. 1. FC Magdeburg (39, 37:47)
9. SG Dynamo Dresden (33, 36:49)
10. 1. FC Union Berlin (20, 34:53)
11. Niendorfer TSV (16, 24:70)

12. TSV Havelse (16, 21:70)
13. FC Carl Zeiss Jena (15, 20:71)
14. VFL Osnabrück (9, 17:63).

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