DFB will Neustart der 3. Liga am 30. Mai / FCC vor enormen Herausforderungen

23.05.2020

Ungeachtet der unterschiedlichen Verfügungslagen in Deutschland und der eigenen Ankündigung, zunächst die politischen Genehmigungen abzuwarten, hat das Präsidium des DFB an Himmelfahrt entschieden, die Saison am 30. Mai fortzusetzen.

Ziel des DFB ist es, die Saison bei noch elf ausstehenden Saisonspielen bis zum 4. Juli zu Ende zu bringen. Die anschließende Relegation zur 2. Bundesliga soll bis zum 11. Juli abgeschlossen sein. 

DFB-Präsident Fritz Keller: "Es ist wichtig und nötig, dass nun Klarheit über den weiteren Fahrplan in der 3. Liga herrscht. Die 3. Liga ist eine bundesweite Profispielklasse, negative politische Verfügungslagen an vereinzelten Standorten dürfen hier nicht den deutschlandweit mehrheitlich möglichen Spielbetrieb komplett unterbinden. Wir hoffen sehr, dass letztlich ein einheitliches Bild herrschen wird und überall in der 3. Liga wie geplant wieder der Ball rollt. Wir haben durchaus positive Signale erhalten. Uns allen muss immer wieder bewusst sein: Wir erleben eine Ausnahmesituation, in der es keine einfachen Lösungen gibt."

Indes aus Sicht unseres FCC - und nicht nur aus dessen - macht es sich der DFB mit dieser Entscheidung sogar sehr einfach. Trotz der bekannten Situation in Thüringen, die bis zum 5. Juni keinen Profisport und damit weder Trainings- noch Spielbetrieb zulässt, will der DFB die Saison fortsetzen. So soll der FC Carl Zeiss Jena am Sonntag, den 31. Mai, 17 Uhr gegen Chemnitzer FC wieder in den Spielbetrieb einsteigen. Dass dies jedoch in Jena nicht möglich ist, erklärt der DFB zum alleinigen Problem des FCC. So heißt es in der Erklärung des DFB vom 21. Mai wörtlich: "Die Vereine, an deren Standorten per Verfügungslage noch kein Profispielbetrieb erlaubt ist, sind nun noch einmal dazu aufgefordert, in aktive Klärung mit den zuständigen Behörden zu treten. Sollte einem Klub zum Zeitpunkt eines Heimspiels nicht sein gewohntes Stadion zur Verfügung stehen, müsste er gemäß Statuten in eine andere Spielstätte ausweichen." 

Dieser Aufforderung des Verbandes ist der FC Carl Zeiss Jena pflichtgemäß nachgekommen, wobei die politischen Entscheider an den zuständigen Stellen von Landes- und Kommunalpolitik eine klare Position haben. Benjamin Koppe, Leiter des Corona-Krisenstabes der Stadt Jena, äußerte sich am Samstag (23.Mai) gegenüber der OTZ eindeutig. "Eine vorfristige Freigabe für den Fußball wäre rechtswidrig." Damit steht fest: Das vom DFB für den 31. Mai angesetzte Spiel des 28. Spieltages der 3. Liga zwischen unserem FC Carl Zeiss Jena und dem Chemnitzer FC wird nicht stattfinden können - jedenfalls nicht im heimischen Ernst-Abbe-Sportfeld. 

Am heutigen Samstag fanden sich Spieler, Trainer und Betreuer im Stadion zu einem weiteren Corona-Test ein, nachdem am letzten Mittwoch bereits vom Club ein solcher Test vorsorglich durchgeführt wurde (alle Tests negativ). Er ist zusammen mit einem weiteren Test, der frühestens am Montag stattfinden könnte, zwingend nötig, um wieder ins Mannschaftstraining einsteigen zu können - das übrigens in Jena ebenfalls bis einschließlich 5. Juni nicht möglich ist. Aber auch hier schiebt der DFB die Verantwortung an die Vereine. So rotieren die Verantwortlichen des FCC mit Geschäftsführer Chris Förster an deren Spitze rund um die Uhr, um sich neben der ungeklärten Stadionfrage nun auch der Organisation eines Quarantäne-Trainingslagers zu widmen. Wie der DFB am Samstag in einer offiziellen Verlautbarung mitteilte, könne man sich auch ins Quarantäne-Trainingslager begeben, ohne die beiden vorgeschriebenen Testungen bereits absolviert zu haben. Wörtlich heißt es in der Belehrung: "Die ersten beiden Testreihen sind keine Voraussetzung für das vorgeschriebene Quarantäne-Trainingslager. Diese Testungen können auch während des Trainingslagers durchgeführt werden. Sie sind einzig die Voraussetzung für den Einstieg ins Mannschaftstraining und in den Spielbetrieb. Folglich kann der Klub ins Trainingslager und bis Abschluss der zweiten Testreihe Trainingsformen außerhalb des Mannschaftstrainings durchführen." Übersetzt bedeutet dies, dass sich eine nicht auf Corona getestete Mannschaft in ein Trainingslager begeben soll, um dort zunächst nicht zu trainieren. Der FCC könnte wohl frühestens am Mittwoch in ein vollwertiges Mannschaftstraining einsteigen. Damit blieben nach mehr als zehn Wochen Zwangspause eine Vorbereitung von wenigen Tagen für den FCC - eine klarer Wettbewerbsnachteil und zudem eine unverantwortliche Situation, in der der Verband die Spieler zwingt. 

Prof. Mario Voigt, Vorsitzender des FCC-Aufsichtsrats reagierte mit klaren Worten auf die Brechstangen-Entscheidung des DFB-Präsidiums (FCC-Geschäftsführer Chris Förster: "Vorbei an Politik und Logik"): "Ohne Gespräche mit den Ländern über die Verfügungslagen zu führen, setzt der DFB im Alleingang den Vereinen die Pistole auf die Brust. Damit spaltet der DFB ganz bewusst Fußball-Deutschland. Der Außerordentliche DFB-Bundestag verkommt zu einer Farce, und der DFB erweckt den Eindruck, dass ihm die eigene Satzung und die rechtlichen Regeln der Bundesländer vollkommen egal sind."

Bisher hat der DFB nur die ersten beiden Spieltage terminiert. Demnach solle es zuerst am Pfingssonntag (31.5., 17:00) im "Heimspiel" gegen den Chemnitzer FC (Austragungsort offen) und nur drei Tage später, am Mittwochabend (3.6., 19:00) in Duisburg gegen den MSV weitergehen. 

 

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