Ein kleines Jenaer Fußballmärchen

24.03.2019

Die U15 unseres FC Carl Zeiss Jena spielte am Samstag um die Deutsche Futsal-Meisterschaft der C-Junioren. Die Devise für Gevelsberg lautete: "Einfach Spaß haben und alles geben!"

Die Teilnahme an der Deutsche Futsal-Meisterschaft 2019 hat bei Spielern und Trainern der U15-Mannschaft des FC Carl Zeiss Jena einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Es ist wie ein kleines Fußball-Märchen für uns“, sagte Trainer Krzysztof Kowalik.
Als Futsal-Meister des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes hatten sich die Jenaer für das C-Junioren-Finalturnier des Deutschen Fußball-Bundes in Gevelsberg qualifiziert – als eine von nur acht Mannschaften überhaupt (wir berichteten).
Und obwohl der FCC als Rangdritter der Vorrundengruppe A am Samstag den Sprung ins Halbfinale verpasste, zogen die Trainer ein positives Resümee: „Hunderte Mannschaften wollen hier hin, wir haben es geschafft. Das ist ein Meilenstein, an den wir uns in Zukunft gerne erinnern wollen. Wir sind stolz auf die Jungs“, sagte Trainer Jörg Fleischer. Darüber hinaus sende die Teilnahme an der „Deutschen“ ein starkes Signal aus. Fleischer: „Es zeigt, dass wir in Jena gute Arbeit leisten!“

Die Gruppenspiele

In das Turnier waren die Blau-Gelb-Weißen mit einer 0:3-Niederlage gegen den Süddeutschen Futsal-Vizemeister, die SpVgg Neckarelz, gestartet. Abduessament Güzel (5. Minute) und David Jurkic (8./14.) erzielten die Tore für die Odenwälder. Die größte Möglichkeit hatte Zeiss in der 11. Minute: Von der rechten Außenbahn passte Jeremy Meinhardt zwischen den rot-schwarzen Verteidigern hindurch zu Fabio Ertmer, der den Ball um Haaresbreite verpasste. In der rasanten Schlussphase versprühten die Distanzschüsse von Josia-Levi Walther (15.) und Kapitän Simon Feistner (17.) Torgefahr. Auf der anderen Seite des Feldes bewahrte FCC-Torhüter Paul Sommer seine Mannschaft mit guten Paraden vor weiteren Gegentoren. Aufgrund des knappen 2:1-Sieges von Viktoria Köln über Wacker 04 Bilstedt im anderen Gruppenspiel, war Jena zunächst Tabellenschlusslicht.

Umso bemerkenswerter war die Reaktion, die die Mannschaft dann in der zweiten Partie gegen Bilstedt zeigte. „Sie haben das Spiel dominiert und überragend gewonnen“, sagte Fleischer. Von Beginn an war Jena dem quirligen Norddeutschen Futsal-Meister drückend überlegen, brachte den Ball zunächst aber nicht im Tor unter – Benjamin Zank aus zentraler Position, Jeremy Meinhardt aus spitzem Winkel (beide 1.), Josia-Levi Walther aus dem Getümmel heraus (3.) und aus der Distanz (5.) scheiterten. In der 8. Minute platze der Knoten: Nach Vorlage von Fritz Schröder traf Milan Dörr zur Führung. Im Anschluss hämmerte Kapitän Simon Feistner einen Freistoß (10.) aus 20 Metern flach und unhaltbar ins Tor – 2:0. Den schnellen Kontern der Hamburger machte spätestens Torwart Paul Sommer den Garaus. Im Schlussdrittel schraubte Jena das Ergebnis zum 4:0-Endstand in die Höhe: Milan Dörr hob den Ball passgenau in die „Flugbahn“ von Fritz Schröder, der das Spielgerät mit links um den Torhüter herum lenkte; in der 18. Minute ließ Benjamin Zank dem Wacker-Torwart aus der Drehung heraus keine Chance zur Reaktion. „Da haben die Jungs gezeigt, was sie drauf haben“, bekräftigte Kowalik.

Im alles entscheidenden dritten Vorrundenspiel gegen Viktoria Köln gingen die Rheinländer in der 4. Minute in Führung. Jena kämpfte aber, drängte die Kölner über große Teile des Spielzeit in deren Hälfte zurück. Carlos Ackermann, Josia-Levi Walther und Fabio Ertmer hatten aussichtsreichste Chancen zum Ausgleich. Als der FCC im eigentlich sicheren Ballbesitz in der 14. Minute den fliegenden Spielerwechsel durchführte, ging das Spielgerät verloren und Köln baute die Führung kaltschnäuzig aus. Kurz darauf traf Viktoria zum 3:0-Endstand.

"Es war einfach nicht unser Tag"

Der dritte Platz in der Gruppe hinter Köln und Neckarelz bedeutete schließlich das Aus in der Vorrunde. „Die anderen waren heute besser, waren abgezockter“, anerkannte Jörg Fleischer. Die herausragende Form, mit der sich der FC Carl Zeiss Jena zuvor souverän den Landes- und Regionalmeistertitel erkämpft hatte, fehlte diesmal. „Es war einfach nicht unser Tag“, sagte Fleischer, der damit haderte, dass die Mannschaft insgesamt nicht an ihre Leistungsgrenze gegangen sei. Das spürten auch die Spieler, als sie sich zerknirscht in die Kabine zurückzogen. „Es ist wichtig, dass die Jungs das für sich selbst erkennen und analysieren, dass sie daraus ihre Schlüsse ziehen“, betonte Jörg Fleischer und beschrieb damit den besonderen Wert, den eben auch Niederlagen für die Weiterentwicklung junger Fußballer haben können. Die anfängliche Traurigkeit verflog bald; zurück blieb die Freude über das Erreichte. „Es war eine tolle Reise“, sagte Jörg Fleischer. „Und es hat Spaß gemacht“, ergänzte Krzysztof Kowalik. Dass sich zudem auf dem stumpfen Belag und in den intensiven Zweikämpfen niemand verletzt habe, hob Mannschaftsleiter Heiko Schwolow dankbar hervor.

Das Verdienst der ganzen Mannschaft

Die Futsal-Erfolgsgeschichte der Jenaer C-Junioren begann im Januar mit dem Gewinn des Vorrundenturniers der Hallenmeisterschaft des Thüringer Fußball-Verbandes in Neustadt. Es folgte der Gewinn der Landesmeisterschaft in Gera und der Triumph beim Regionalturnier in Berlin, dem Wettstreit aller ostdeutschen Landesmeister. „Dabei war Futsal eigentlich nebensächlich für uns“, berichtete Krzysztof Kowalik schmunzelnd. Aber von Turnier zu Turnier befassten sich Trainer und Spieler immer mehr mit diesem besonderen Sport. Insgesamt absolvierte die Mannschaft dennoch nur zwei spezielle Futsal-Trainingseinheiten, denn: „Das wichtigere Ziel ist im Juni den Aufstieg in die Regionalliga zu schaffen“, betonte Heiko Schwolow. Darauf lag und liegt das Hauptaugenmerk. Trotzdem sind die jüngsten Erfolge im Futsal wertvoll für den weiteren Saisonverlauf: Einerseits waren die Turniere – Schwolow: – „wettkampfnahe Trainingseinheiten hinsichtlich des taktischen Verhaltens“ und andererseits wichtig für die Moral der Mannschaft: „Nämlich zu sehen, was alles möglich ist, auch wenn man erst einmal nicht glaubt, dass man es wirklich erreichen kann“, sagte Krzysztof Kowalik.

Zur Finalrunde durfte Jörg Fleischer zwölf Spieler (siehe unten) mitnehmen, nach Berlin sogar nur zehn. Der Erfolg sei aber das Verdienst der gesamten Mannschaft. In Neustadt habe nämlich beispielsweise eine gänzlich andere Truppe auf dem Feld gestanden, als diesmal in Gevelsberg. Miroslav Jovic, der Sportliche Leiter des Vereins, begleitete die U15 zu allen Turnieren. Der Sportwissenschaftliche Leiter Dr. Christian Puta sowie die Spieler Gabriel Ziegler, Yannek Hofmann, Erik Deckert, Sascha Winefeld, Joel Puta, Nick Höfer und Michelle Smyla mussten diesmal in der Heimat bleiben. Insbesondere der Hinderungsgrund der Nationalspielerin ist tragisch: In Gera, wo die Fußballerin ein überragendes Turnier spielte, erlitt sie einen Kreuzbandriss. Auch, wenn sie aktuell nicht auf dem Platz stehen könne, denke die Mannschaft an Michelle. „Sie ist in unseren Herzen und wir drücken ihr die Daumen, dass sie bald zurückkehren kann“, sagte Trainer Jörg Fleischer hoffnungsfroh.

Das Turnier gewann am Samstag übrigens Hertha BSC, die Viktoria Köln im Finale mit 3:1 schlugen. Die Berliner waren als NOFV-Vize für Gevelsberg qualifiziert. Beim Regionalturnier kassierte Hertha damals nur eine einzige Niederlage – gegen unseren FCC. Dritte wurden unsere Freunde der Spielvereinigung Neckarelz, die Fortuna Köln im kleinen Finale 10:9 nach Neunmeterschießen besiegten.

Unser Kader in Gevelsberg: Paul Sommer, Justin Smyla, Vincent Miclo, Milan Dörr, Josia-Levi Walther, Simon Feistner, Steven Roßbach, Carlos Ackermann (alle U15), Fritz Schröder, Jeremy Meinhardt, Fabio Ertmer und Benjamin Zank (alle U14).

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