FCC vs. Hansa: Torjubel in der Nachspielzeit

03.11.2018

Auch im neunten Anlauf hintereinander blieb unserer Mannschaft der erhoffte und dringend benötigte Sieg verwehrt. Vor 8141 Zuschauern sorgte ein Tor des eingewechselten Vincent Louis Stenzel aber für Jubel in der Nachspielzeit und eine verdiente Punkteteilung.

Beim FC Hansa, drei Tage zuvor im DFB-Pokal dem 1. FC Nürnberg erst im Elfmeterschießen unterlegen, standen die bislang überzeugenden Neuzugänge Ofosu-Ayeh und Soukou wegen Verletzung nicht im Kader. Mark Zimmermann fehlte mit Eismann, Fl. Brügmann, Schau, Schlege, Cros, Erlbeck, Tietz und Koczor eine ganze Reihe verletzter, erkrankter oder gesperrter Akteure. Da bei Erlbeck die Zeit nicht ausgereicht hatte, um fit zu werden, war die Nominierung von Kevin Pannewitz für die Startformation nach dessen vorübergehender Suspendierung nur auf den ersten Blick eine echte Überraschung.

Jena mit Negativserie von acht Spielen ohne Sieg, die Hanseaten nach holprigem Start stark im Aufwind - entgegen dieser Tendenzen waren es unsere Jungs, die in der Anfangsphase Betrieb machten, auch wenn der letzte Pass von Starke, Sucsuz die Mitspieler noch nicht erreichte. In Minute 12 holte Matthias Kühne einen Ball noch von der Torauslinie, sein Zuspiel ins Zentrum will René Eckardt aufs Tor köpfen. Da ihm das Leder über den Scheitel rutscht, kommt Günther-Schmidt völlig überraschend noch in die Nähe des Balles, aber nicht wirklich zum Schuss. Dennoch, derart engagiert wie heute hatte man ein Jenaer Team schon eine Weile nicht mehr ins Spiel gehen sehen. Den ersten Torschuss des Favoriten durch Pepic gab es in der 19. Minute. Die erste Chance bot sich ihm neun Minuten später, als Biankadi steil geschickt wurde, aus guter Position jedoch in die Wolken schoss.  Auf der Gegenseite bugsierte Manfred Starke einen Freistoß aufs Netz des Rostocker Gehäuses. 

Es läuft Minute 36, das Geschehen spielt sich auf Jenas linker Abwehrseite ab. Plötzlich ein Seitenwechsel auf rechts, von Jenas Abwehr gerade ein wenig vernachlässigt. Dadurch steht Nico Rieble frei. Er nutzt diese Freiheiten zu einem Schuss an die Latte und wer genau hinsieht, erkennt Coppens noch mit den Fingerspitzen am Ball, ohne dessen Reaktion der Rückstand wohl unausweichlich gewesen wäre. Es folgen eine Chance für Hildebrandt, dessen Ball knapp am langen Pfosten vorbei springt und ein Schuss von Pannewitz übers Tor in einer Phase, in der Carl Zeiss die Spielkontrolle an Hansa verlor. Immerhin eröffnete sich den Jenaern dadurch noch eine Konterchance, bei der Starke einen Tick zu steil auf Günther-Schmidt spielte und Gästekeeper Gelios die Möglichkeit gab, vor Jenas Stürmer am Ball zu sein.

Wie schon in Hälfte eins kommt Jena auch nach Wiederanpfiff gut rein. Eine Rechtsflanke von Eckardt erreicht Günther-Schmidt, doch dessen Kopfball mangelt es an Präzision. Nun kontert Rostock, mit Hilßner über die rechte Seite. Coppens verlässt seinen Kasten, stellt sich Hildebrandt in den Weg, dieser passt in die Mitte und der Rest ist leichtes Spiel für Jonas Hildebrandt, den Schützen des 0:1. Es ist ein Treffer mit bitterem Beigeschmack, denn er hätte nicht zählen dürfen. Stand doch Hildebrandt zwei Meter im Abseits und Schiri-Assi Wlodarczak direkt daneben, ohne die Fahne zu heben. Über Zäune in den Innenraum kletternde "Fans" aus drei Zuschauerblöcken sorgten wenige Minuten später für eine Spielunterbrechung und den Tiefpunkt des Tages. Danach wurde wieder Fußball gespielt mit Eckardts Direktschuss aus 13 Metern und vollem Lauf sowie einer Unsicherheit in der Rostocker Hintermannschaft, welche Brügmann jedoch nicht zu nutzen verstand. 

Eine Viertelstunde vor Schluss brachte Mark Zimmermann zwei Neue in die Partie. Hatten vor Wochenfrist in Cottbus die Wechsel rein gar nichts gebracht, hoffte man nun umso mehr auf des Trainers glückliches Händchen beim Einwechseln wie zu Saisonbeginn. Sein Team bekam gegen zusehends tiefer stehende Rostocker jetzt wieder Oberwasser. Starkes Ablage vors Tor führt lediglich zu einem Eckball und einen Schuss von ihm aus 17 Metern meistert Gelios problemlos (83.). Fünf Minuten später fliegt ein Ball in den Rostock Strafraum, dort steht einige Meter links vom Elfmeterpunkt Kevin Pannewitz, nimmt Maß und ballert das Leder an die Latte. Man stelle sich vor, gerade ihm wäre der Ausgleich gelungen, so kurz vor Schluss - was wäre das für ein Paukenschlag gewesen nach der Vorgeschichte aus den letzten Wochen  ! Doch noch war lange nicht Schluss. Durch die Unterbrechung betrug die Nachspielzeit satte 8 Minuten. Der Sekundenzeiger hatte eine Umdrehung vollendet, als ein hoher Ball in den Rostocker Strafraum fliegt, Vincent Louis Stenzel hochsteigt und unhaltbar zum 1:1-Ausgleich einköpft. Da war es also wieder, das glückliche Händchen des Trainers beim Wechseln und ein Jokertor mehr, das wenigstens für eine Punkteteilung sorgt.

Das 2. Remis im 36. Aufeinandertreffen beider Vereine bringt den FCC tabellarisch nicht voran. Im Wissen, gegen eine weitere Spitzenmannschaft nicht verloren zu haben, sollte die Moral der Truppe jedoch intakt bleiben. Und das ist wichtig, um den Bock möglichst schon beim nächsten Match endlich mal umzustoßen.

Trainermeinungen

Pavel Dotchev: "Es war ein sehr spannendes Spiel. Zu Beginn hatten wir ein paar Probleme, speziell über die linke Seite. Mit der Zeit wurden wir immer besser, haben weiträumiger gespielt, mehr Entlastung und Torchancen kreiert. Für uns war klar, dass wir unser Tor machen werden, wenn wir so weiter spielen. Man hat gesehen, dass Jena wie schon in Cottbus Probleme in der Rückwärtsbewegung hatte. Wir gehen dann in Führung, auch wenn es knapp Abseits war. Nach der Spielunterbrechung war unser Spielfluss nicht mehr so da, wir standen zu tief und hatten nicht mehr die Kraft. Ärgerlich ist natürlich, wie schon am Mittwoch kurz vor Schluss wieder so ein Gegentor hinnehmen zu müssen. Mit dem Punkt muss man leben. An Jena ein Kompliment für die tolle Moral."

Mark Zimmermann: "Es war ein emotionales Spiel. Wir sind sehr gut in beide Halbzeiten gekommen. Zu Beginn hatte man ein gutes Gefühl, da fehlten nur ein, zwei Prozent, um in Führung gehen zu können. Zur Pause ist das Spiel ausgeglichen. Beim 0:1 verteidigen wir richtig, der Gegner läuft ins Abseits, das Andere können wir nicht beeinflussen. Allerdings darf man sich anschließend nicht so lange mit dieser Situation beschäftigen. Der Ausgleich war glücklich, keine Frage, aber auch hochverdient. Am Ende bin ich absolut happy, dass wir uns in einem stark emotionalen Spiel noch mit dem Ausgleich belohnt haben."

Statistik

Jena: Coppens - Slamar, Grösch, Gerlach; Pannewitz; Kühne, Eckhardt, Starke (84. Tchenkoua), Sucsuz (75. Wolfram); Günther-Schmidt, Brügmann (75. Stenzel)

Rostock: Gelios - Wannenwetsch, Hüsing, Riedel, Rieble; Pepic, Bülow; Hilßner (90.+2 Reinthaler), Hildebrandt, Biankadi (74. Scherff); Königs (77. Breier)

Tore: 0:1 Hildebrandt (56.), 1:1 Stenzel (90.+2)

Zuschauer: 8141

Schiedsrichter: Petersen (Stuttgart)

 

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