Jubel über ersten Punktspielsieg

05.09.2020

Nach einem deutlichen 3:0 über die zweite Vertretrung von Hertha BSC feiert der FC Carl Zeiss seinen ersten Punktspielerfolg. Nach dem Sieg mit Treffern von Pasqual Verkamp, Vasileios Dedidis und einem Eigentor der Gäste verbessert sich unsere Mannschaft vorerst um neun Tabellenplätze.

Mit verteiltem Spiel ohne Torraumszenen hatte das Match begonnen. Jenas Ein-Mann-Sturm bestand diesmal aus Dedidis, der für Fiedler in die Anfangself gerutscht war. Verkamp kam dafür über die linke Außenbahn. Beide Teams attackierten recht früh den ballführenden Gegner, was zu einer erhöhten Anzahl an Ballverlusten auf beiden Seiten führte. Gleich die erste Torchance führte zum ersten Treffer. „Maskenmann“ Oesterhelweg hatte das Leder nach rechts außen gepasst, von wo aus Wolf es in die Mitte spielte, wo Verkamp aus seiner vergebenen Hundertprozentigen der Vorwoche gelernt hatte und den Ball aus sieben Metern in die Maschen beförderte. Für die Hauptstädter besaß Morack mit einem Schlenzer um den Pfosten herum die erste Gelegenheit (23.). Doch nur vier Minuten darauf klingelte es schon wieder im Hertha-Kasten. Verkamp war diesmal Vorbereiter mit einer schönen Flanke auf den Kopf von Dedidis, welcher genau die richtige Körpergröße besitzt, um bei der Annahme des Balles in dieser Höhe nicht unkontrolliert in Rücklage zu geraten, stattdessen ihn an Palmowski vorbei zum 2:0 verwandeln zu können.

Eines fiel im Anschluss positiv auf: Obwohl nun schon mit zwei Toren vorn liegend, ging Jenas Elf nicht von ihrer Linie ab, setzte weiter konsequent nach und erschwerte der U23 einen durchdachten Spielaufbau. Und wenn doch mal einer durch kam, hatte die FCC-Abwehr bis dato alles und jeden im Griff. Ein Kopfball von Covic nach Freistoß von links war somit noch das Gefährlichste, was in den Minuten vor der Pause für den Tabellensiebten zustande kam. Doch lag das 3:0 eher in der Luft als der Anschlusstreffer. Als nämlich Verkamp nach feinem Passspiel von Oesterhelweg und Eckardt geradewegs auf Palmowski zusteuerte, sah Gurschke keinen anderen Ausweg, als Jenas Neuzugang in die Hacken zu treten. Rot für Gurschke war die logische Konsequenz. Unser Team spielte fortan in Überzahl.

Für Dirk Kunert gab es zur Pause keinen Grund für personelle Veränderungen, für „Zecke“ Neuendorf hingegen schon. Ziemer für Morack stellte einen positionsgetreuen Wechsel in der Viererkette dar. Welche neun Minuten nach Wiederanpfiff die nächste brenzlige Situation zu überstehen hatte. Flanke von rechts, Wolf grätscht hin, kommt aber nicht heran, Verkamp ist dadurch vielleicht etwas irritiert und setzt das Leder aus guter Position neben den Pfosten. Drei Minuten später auf der anderen Seite - Storm führt von rechts einen Freistoß aus, der aufgerückte Baak rauscht heran, bleibt dabei völlig unbedrängt und setzt den Kopfball aus vollem Lauf knapp neben den rechten Pfosten. Hier war Blau-Gelb-Weiß ganz eng mit Fortuna im Bunde. Es sollte jedoch die einzige Situation bleiben, die Jenas Abwehr nicht selbst zu meistern verstand.

In der 67. Minute war Feierabend für den Schützen des zweiten Tores. Mit Beifall verabschiedet, übergab Vasileios Dedidis seinen Posten im Sturm an Verkamp, während der eingewechselte Fiedler die Außenbahn besetzte. Werthmüller tauchte eine gute Viertelstunde vor Schluss gefährlich am Jenaer Torraum auf, Slamar konnte mal eben noch zur Ecke klären. Der FCC ging in dieser Phase nicht mehr das allerletzte Risiko im Spiel nach vorn. Das musste er auch nicht mit zwei Toren im Plus und einem Mann mehr auf dem Feld. Und wenn einem dann sogar noch das Toreschießen vom Gegner abgenommen wird… Offiziell wird Michelbrink das Eigentor in der 80. Minute zugeschrieben, doch ist natürlich Palmowski der eigentliche Verursacher, wenn er bei einem ganz gewöhnlichen Rückpass den Ball durchrutschen lässt wie Junghans nach Zuspiel von Rohde, damals im Jahr 1993 im gleichen Stadion und dem selben Strafraum, bei nahezu identischer Ansetzung.

Drei der besten Jenaer Akteure, zu denen ausdrücklich auch der zuletzt in die Kritik geratene René Eckardt zählte, durften sich fünf Minuten vor Schluss den Extra-Beifall von 1256 zugelassenen Fans abholen. Als René Lange in der Schlussminute ein Foul im Strafraum an Gayret unterlief, legte sich der dreifache Saisontorschütze Muhammad Kiprit den Ball auf den Elfmeterpunkt. Der Anschlusstreffer zum 1:3 ? Nein, denn Lukas Sedlak flog in die rechte Ecke und hielt diesen Strafstoß. So als könne er alle Energie in diese eine Parade investieren, hatte er neunzig Minuten zuvor doch nicht einen einzigen Ball halten müssen.

Energie ist auch das Stichwort für die nun folgende Arbeitswoche unserer Jungs. Nach kurzer Saison-Vorbereitung und zuletzt zwei englischen Wochen am Stück können die Akkus ein Stück weit wieder aufgeladen und obendrein auch mal gezielter trainiert werden. Mit dem ersten Punktspielerfolg  im Gepäck werden sich die kommenden Aufgaben zudem vom Kopf her leichter angehen lassen.

 

Trainermeinungen

Dirk Kunert: "Uns fällt ein Stein vom Herzen, dass wir den Dreier einfahren durften. Beiden Mannschaften merkte man an, dass sie Fußball spielen wollen. Das 1:0 hatte sich nicht angebahnt, wir machen es aber schön, wie überhaupt beide Tore wunderbar herausgespielt wurden. Auch in der Sitaution, die zur Roten Karte führte, haben wir es richtig gut gemacht. Zudem standen die Jungs ordentlich, haben nicht viel anbrennen lassen. Schließlich kann auch gegen zehn Mann bei einer so gut ausgebildeten Mannschaft wie der Hertha immer was passieren. Ich habe den Jungs jetzt zwei Tage freigegeben, dass sie mal durchatmen können. Und dann hoffe ich, dass ein paar verletzte Spieler zurückkommen, damit wir das Spiel gegen Werder gut angehen können und mit ein bisschen Glück vielleicht auch eine Chance haben, mal kucken."

Andreas Neuendorf: "Wäre es uns gelungen, den Anschlusstreffer zu erzielen, hätte es nochmal eng werden können. Aber es sollte nicht sein. Dann hat Muhammed Kiprit auch noch eine Riesenchance, die wird gut vereitelt. Am Ende machen wir dann auch noch einen wunderschönen Treffer, sodass es 3:0 steht. Für mich ist die Höhe aber völlig egal, es ist eine Niederlage, und wir haben trotzdem schöne Erkenntnis gewinnen können in diesem Spiel. Zum Glück haben wir nicht den Druck, im oberen Tabellendrittel hausieren zu müssen. Wir dürfen nur nicht unten sein und da werden wir uns hoffentlich fernhalten. Euch wünsche ich alles Gute, dass ihr da oben mitmischt. Und wenn ihr es verdient, dann steigt auch auf!"

 

Statistik

Jena: Sedlak – Wolf, Slamar (85. Müller), Grösch, Lange; Schau; Oesterhelweg (85. Bock), Bergmann (77. Stauffer), Eckardt (85. Düzel), Verkamp; Dedidis (67. Fiedler)

Hertha II: Palmowski – Gurschke (RK, 42.), Baak, Morack (46. Ziemer), Fuchs; Storm (82. Gayret); Covic, Michelbrink, Werthmüller (82. Aksalkal); Kiprit

Tore: 1:0 Verkamp (19.), 2:0 Dedidis (27.), 3:0 Michelbrink (80. ET)

Zuschauer: 1256 (damit den Umständen entsprechend ausverkauft)

Schiedsrichter: Albert (Muldenhammer)

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