Er ist der Dienstälteste in unserer Mannschaft, ein echtes Jenaer Eigengewächs, ein Spieler, der wohl wie kaum ein Anderer in unserem Team seit Jahren für die Prädikate Leidenschaft, Einsatzfreude und Identifikation mit dem FC Carl Zeiss Jena steht: Justin Schau. Nun steht für den 27-jährigen Mittelfeldakteur ein ganz besonderes Jubiläum an – das 200. Spiel im Trikot des FCC. Ein Meilenstein, der nicht nur seine Beständigkeit zeigt, sondern auch seine tiefe Verbundenheit zu Verein und Fans. Wir haben mit Justin über diesen Moment gesprochen.
Schaui, Du stehst vor Deinem 200. Pflichtspieleinsatz für unsere Farben. Macht diese Zahl, dieses Jubiläum etwas mit Dir?
Auf jeden Fall! Ich freue mich sehr, für meinen Heimatverein eine solche Zahl erreicht zu haben. Und ich empfinde das, obwohl es durchaus schon hätten ein paar Spiele mehr sein können, für mich persönlich auch als einen kleinen Meilenstein.
Darauf darfst Du absolut stolz sein! 200 Pflichtspiele sind - gerade in der heutigen Zeit - eine echte Ansage, die kaum noch Spieler erreichen. Gefühlt - und das ist großartig - spielst Du seit 15 Jahren ununterbrochen beim FCC. Dabei bist Du vor ein paar Tagen gerade erst 27 Jahre alt geworden. Und damit befindest Du Dich ja in der Blütezeit eines Fußballers.
Na das will ich doch mal hoffen! Und ja, Du hast Recht: Mit 27 Jahren ist man alles andere als im Herbst der Karriere. Ich freue mich auf das, was kommt. Und gegen ein 300. Spiel für den FCC hätte ich rein gar nichts einzuwenden.
Unabhängig von Jubiläen gibt es natürlich Spiele, die für immer im Gedächtnis bleiben. Welche sind das bei Dir?
Das kann ich gar nicht so leicht beantworten bei all den Spielen die ich gemacht habe. Aber in jedem Falle gehört da natürlich mein Debüt dazu. Das war im August 2017, der FCC war gerade mit Trainer Mark Zimmermann in die 3. Liga aufgestiegen, und wir spielten am 3. Spieltag auswärts in Halle - und gewannen mit 2:0. Der erste Sieg in der 3. Liga. Hinzu kommt natürlich, dass es mir mit unserer Mannschaft in acht Jahren insgesamt sechs Mal gelang, den Thüringenpokal zu gewinnen. Und alle gewonnenen Finale waren etwas Besonderes und bleiben haften. Und ebenfalls unvergesslich bleibt für mich die Stadioneröffnung mit dem Spiel gegen Andrea Pirlos Sampdoria und das DFB-Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen, was zu diesem Zeitpunkt vielleicht die beste Mannschaft Europas - ja der Welt - war, und der wir in einem grandiosen Spiel denkbar knapp mit nur 0:1 unterlagen. Das bleibt natürlich unvergessen. Und das gilt auch für die Derbys, die immer etwas Besonderes sind.
Du bist Jenenser im Jenaer Team….
Und damit dürfte ich, wenn ich mich nicht irre, aktuell der einzige in Jena geborene Spieler sein. Und auch im direkten Umfeld der Mannschaft gibt es meines Wissens gar nicht mehr so viele Jenenser, oder? Da müssen wir schon die Fahne hochhalten!
Absolut! Aber Deine ersten Schritte im Fußball gingst Du in Eisenberg.
Das ist korrekt. Dort habe ich als kleiner Junge ein Jahr gespielt und dann, da war ich fünf oder sechs Jahre alt, bin ich schon zum FC Carl Zeiss Jena gekommen - zu den Bambinis, geholt von Frau Karlguth.
Dann gehen Grüße an sie raus. Denn sie hat Dein Talent ja offensichtlich entdeckt und entsprechend gefördert.
Das stimmt. Ich weiß gar nicht mehr, wie sie auf mich aufmerksam wurde - vermutlich bei einem Turnier, das wir Kinder spielten. Damals wäre ich übrigen auch offensiver und fiel schnell auf.
Dein Papa hat auch Fußball gespielt, wechselte damals aus Steudnitz in die Nachwuchsabteilung des FCC. Hat er Dir das Fußballspielen in de Wiege gelegt?
Das würde ich sagen, ja. Denn andere sportliche Vorprägungen in der Familie sind mir zumindest nicht bekannt. Mein Papa war immer mit dabei.
Und ist es auch heute noch!
Damals fuhr er mich natürlich auch überall hin, wenn man in den unteren Jahrgängen um 9 Uhr oder 10 Uhr seine Spiele hatte. Da war er immer da, hat mich gefahren und die Spiele beobachtet. Und er hat mir immer Feedback gegeben, wenn etwas gut oder auch weniger gut lief. Das macht er auch heute noch. Und mir war dieses Feedback damals sehr wichtig und es hat dabei geholfen, meine Leistung selbst richtig einzuschätzen. Ich weiß schon sehr genau, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Dann suche ich diesen nicht woanders, sondern bleibe da bei mir. Und genauso kann ich auch einschätzen, wenn ich ein gutes Spiel gemacht habe. Seine eigene Leistung richtig einschätzen zu können, ist aus meiner Sicht extrem wichtig.
Du hast in nun bald 200 Spielen nur zwei Pflichtspieltore geschossen. Nun gehört das Toreschießen nicht zu Deinen Kerndisziplinen, aber warum triffst Du so selten?
Natürlich spielt man als Kind nicht so positionsbezogen und kickt eigentlich überall mal. Und auf dem Kleinfeld schießt man aus allen Positionen auch Tore. Aber später dann, als es auf das Großfeld ging, habe ich sehr schnell zentral gespielt, defensiv. Ich kann mich eigentlich kaum daran erinnern, offensiv eingesetzt worden zu sein, was sicher an meiner Laufbereitschaft und Aggressivität bei der Zweikampfführung liegt - besonders gegen den Ball. Das passt gut zum Sechser, und seitdem spiele ich auch dort, wobei ich - in der 3. Liga - zeitweise auch auf der Rechtsverteidigerposition gespielt habe.
Stört es Dich, wenn man bei Justin Schau automatisch bei den Stichwörtern Ackern und Kämpfen ist?
Überhaupt nicht! Denn genau das bin ich ja auch mit meiner Spielweise, und ich weiß ja auch, dass es in den Mannschaften nur wenige solche Spielertypen gibt. Ich glaube, und so selbstbewusst bin ich, dass ich ein Mehrwert für die Mannschaft mitbringe. Das gilt fürs Spiel und auch das Training. Das spiegelt mir auch unser Trainer wider. Er will ja auch, dass ich meine Mitspieler mit anzünde. Das ist mein Ding. Aber, und das finde ich schön, unser Trainer will auch, dass ich auch mal offensive Akzente setze, Das ist für mich neu, aber darauf stelle ich mich gern ein und das fordert mich heraus. Aber ein Goalgetter werde ich sicher nicht mehr. *lacht*
Wenn man den Sechser so interpretiert, wie Du das machst, dann fühlt sich ein Sliding Tackle doch auch fast an wie ein Tor…
Ja, absolut! Da hast Du völlig Recht. Man spürt das ja und es fühlt sich dann auch gut an, wenn das funktioniert. Und dann kommt das Publikum, feiert das. Das wird gerade hier in Jena honoriert. Die Fans mögen das. Zuletzt in Jena war das Spiel schon unterbrochen wegen einer Abseitsposition, und dennoch habe ich den Ball weggegrätscht, worauf das Publikum sofort gefeiert hat. Das mögen sie. Und ich auch.
Unser ehemalige Trainer René Klingbeil nannte Dich mal Kernberg-Gattuso...
Schöner Vergleich! Da musste ich damals wirklich schmunzeln. Auch wenn ich mich mit ihm natürlich nie vergleichen würde. Aber das „Kernberg“ davor ordnet das schon richtig ein. Und ja, es passt ja auch irgendwie.
War Gattuso ein Vorbild für Dich? Bzw. hast Du Lieblingsspieler?
Pogba, als er bei Juve war, gehörte mal dazu. Aber gemessen an meinem eigenen Stil waren es vor allem Vidal oder eben Gattuso. Und heute ist es ein Spieler wie Andrich.
Kannst Du Dich eigentlich noch an Dein 100. Spiele erinnern?
Ich weiß, dass ich damals vom Club als Erinnerung ein Bild auf Aluminium erhielt. Aber in welchem Spiel das war, da muss ich für den Moment passen.
Da kann ich helfen: Es war im März 2022 beim Spiel in Meuselwitz, das der FCC mit 2:0 durch Tore von Felix Drinkuth und Maximilian Wolfram gewann. Also ein gelungenes Jubiläum.
Dann habe ich nichts dagegen, wenn das auch gegen den Chemnitzer FC, der ein ganz harter Brocken sein wird, ein gutes Omen ist.
Die Daumen sind gedrückt! Danke für das Gespräch, Schaui!