Besser spät als nie, dieser 21. Spieltag. Anders als zum ursprünglichen Termin Anfang Februar, als Schnee und Eis das Saaletal fest im Griff hatten, herrschten diesmal optimale Bedingungen und die wärmende Abendsonne lieferte den strahlenden Rahmen für Harald Irmschers Ehrung mit dem "Goldenen Fußball". 282 Pflichtspiele hatte der "Sir" für unseren FCC bestritten, nachdem er aus Zwickau kommend die nächste Sprosse der fußballerischen Leiter erklomm.
Irdischer die Sorgen Volkan Ulucs in seinem 101. Spiel an der Seitenlinie des FCC. Malik Talabidis Gelbsperre sowie Krankheiten und Blessuren von Krämer, Werner und Hoppe beschränkten seine Defensivoptionen und inspirierten zu einer Rückkehr zur Viererkette mit den zentralen Hessel/Reddemann sowie Butzen und Hehne auf den Außen. Luckenwalde-Siegtorschütze Oduah bildete die einzige echte Spitze und sah ebenso wie die 9.000 Zuschauer eine Anfangsviertelstunde des Abtastens ohne nennenswerte Offensivaktionen. Beide in der Tabelle nur durch fünf Punkte getrennte Teams zeigten Respekt voreinander und neutralisierten sich zwischen den Strafräumen. Bis das Spiel ab der 17. Spielminute plötzlich ein völlig anderes Gesicht bekam. Lankford hatte Prokopenko auf der linken Seite eingesetzt und an dessen perfekter Flanke flog Burmeister zentral nur um Millimeter vorbei. Den schließlich auf der rechten Angriffsseite landenden Ball beförderte Hehne abermals in den 16er, wo Emeka Oduah sich per Kopf kaltschnäuzig zeigte und im vierten Spiel hintereinander traf.
Der Jubel war kaum verklungen, da stand es bereits 2:0. Diesmal wurde Lankford auf dem rechten Flügel bedient und seine herausragend temperierte und platzierte Flanke bugsierte der mitgelaufene Prokopenko in seinem 100. Pflichtspiel artistisch über die Linie. Als Hiemann knapp vor Burmeister am Ball war, lag sogar der dritte Treffer in der Luft. Fortan aber kippte die Begegnung, die Gäste wurden aktiver und erarbeiteten sich Möglichkeiten im Minutentakt. Liesegangs Flugeinlage entschärfte Dobrunas Kopfball (24.), ein Distanzschuss landete am Aluminium (25.), Sezers sehenswerten Freistoß über die Mauer fischte unsere Nummer 1 aus dem Winkel (26.) und kurz darauf lag der Ball im Netz. Dobruna war in eine Rechtsflanke eingelaufen und köpfte vorbei am sich vergeblich streckenden Liesegang ins lange Eck. Der FCC fing sich jedoch wieder und hatte noch vor der Pause durch Oduah Möglichkeiten zur Resultatserhöhung (36., 38.). Es war eine ungewöhnlich muntere erste Hälfte, und die zweite sollte keinen Deut langweiliger werden.
Vier Minuten waren gespielt, da durfte auch die Nordkurve über einen Oduah-Treffer vor der eigenen Nase jubeln. Prokopenko-Ecke, Kopfball am langen Pfosten, Tor - Fußball kann so einfach sein. Und Jena blieb dran. Lankford vergab zweimal die Chance zur Entscheidung, insbesondere nach seinem Alleingang frei vor Hiemann raufte nicht nur er sich die Haarpracht. Reddemann und Hehne verpassten jeweils knapp nach Ecken. Und dann - Uluc hatte zwischenzeitlich auf Dreier-/Fünferkette umgestellt - klingelte es beinahe auf der anderen Seite. Ex-FCC-Stürmer Cemal Sezer fand sich nach geschicktem Lupfer über Hehne plötzlich frei vor Liesegang, der mit großer Rettungstat die Finger ans Leder bekam, bevor Hessel die Kugel in allerletzter Sekunde von der Linie klärte. Es war bis in die Nachspielzeit hinein Zwickaus einzige Torchance des zweiten Durchgangs, aber eine, die die Begegnung noch einmal hätte kippen können. Stattdessen war es Emeka Oduah, der sich die Schlagzeilen sicherte und mit dem 4:1 seinen Hattrick englischer Lesart finalisierte. Im Laufduell um einen langen Ball tief aus der Jenaer Hälfte war Hiemann einen Tick früher dran, doch Jenas Nummer 9 blieb in der Aktion und vollendete mit gekonntem Heber ins leere Tor (74.). Es war die Entscheidung, und das Signal dafür, dass die letzten 17 Minuten ähnlich ereignisarm werden sollten wie die ersten, wenngleich auch unter anderen Vorzeichen. Nur einmal noch explodierte das Ernst-Abbe-Sportfeld, als fast mit der Schlusssirene Wähling einen langen Ball erlief und trocken zum 5:1-Endstand abzog. Zum ersten Mal in dieser Saison fünf eigene Tore im Ernst-Abbe-Sportfeld in einem rauschenden Spiel: Das lange Warten auf diesen Nachholer hatte sich definitiv gelohnt.
Trainerstimmen:
Rico Schmitt: Es war ein toller Abend, 8.900 Zuschauer, davon 1000 unserer Fans. Und doch haben wir Frust, denn wir haben auch in dieser Höhe verdient verloren. Bis zum 0:1 war es ein ordentlicher Beginn von unserer Seite. Jena hatte die Spielidee aus dem Luckenwalde-Spiel übernommen, sie standen tief und wollten dann schnell umschalten. Beim 0:1 stellen wir uns dann dumm an, beim zweiten Gegentor auch naiv. Was ich meiner Mannschaft aber hoch anrechne, dass wir uns dann gefangen haben und weiter mutig blieben, über einen tollen Angriff mit einem schönen Tor zurück kamen. Danach dann die strittige Szene mit einem Elfmeter, den man meiner Meinung nach geben kann. Im Anschluss hatte Jena wieder 1-2 Möglichkeiten und wir müssen uns bei Hiemann bedanken, mit dem 1:2 in die Kabine zu gehen. Nach der Pause waren wir dann vogelwild. Jena hat gezeigt, wie man so ein Spiel angehen muss, wir konnten heute einige Lehren ziehen
Volkan Uluc: Es ist für uns ein toller Abend mit diesem Ergebnis und einer 1A-Leistung. Es war ungewohnt, da wir in der Viererkette einiges umstellen mussten. Trotzdem waren wir kompakt, auch in der Mittelfeldzentrale, wo einige Spieler für sie ungewohnte Aufgaben hatten. Für uns war nach der harten Woche mit dem Pokalspiel und den Ligaspielen wichtig, schlau zu sein, richtig zu dosieren und das hat die Mannschaft gut gemacht. Jetzt müssen wir das abschütteln, denn am Sonntag haben wir eine schwierige Aufgabe in Berlin, wo es wieder bei 0:0 beginnt. Bevor Fragen kommen: Dieser Abend gehört allein der Mannschaft und nicht meiner Person.
FC Carl Zeiss Jena: Liesegang - Butzen, Reddemann, Hessel, Hehne - Fritz, Weihrauch (77. Kampe), Lankford (77. Eshele), Prokopenko (71. Wähling), Burmeister (86. Kratzenberg) - Oduah (77. Suljic)
FSV Zwickau: Hiemann - Senkbeil, Dobruna, Möbius, Martens (64. Prasse), Startsev (80. Putze), Sengersdorf (80. von Baer), Eixler (64. Jakobi), Sezer (64. Zimmermann), Fobassam, Ziemer
Schiedsrichter:
Marcel Riemer (Tim Gerstenberg, Andy Stolz)
Zuschauer:
8.940
Tore:
1:0, 3:1, 4:1 Oduah (17., 49., 74.), 2:0 Prokopenko (20.), 2:1 Dobruna (28.), 5:1 Wähling (90.)