Unglückliche Niederlage gegen eiskalte Hallenser

22.11.2019

Unter Wert verliert der FCC sein Freitagabendheimspiel gegen den HFC mit 0:3 (0:1). Dabei täuscht das Ergebnis über ein ausgeglichenes Spiel hinweg, in dem die Gäste im Gegensatz zu unserer Elf ihre Chancen gnadenlos nutzten.

Trotz der bedrohlichen sportlichen Situation: Die Vorfreude auf dieses Spiel gegen Torsten Ziegners Aufstiegsaspiranten war im Umfeld groß. Über 8000 Zuschauer wollten der Novemberkälte trotzen. Und während von den Hochhäusern in Jenas City anlässlich der Langen Nacht der Wissenschaften Laserstrahlen in den Himmel blitzten, stimmte die Flutlichtanlage im Ernst-Abbe-Sportfeld mit einer musikalisch untermalten Lichtershow eindrucksvoll auf den 81. Saaleklassiker ein. 

Rico Schmitt schenkte weitestgehend der Elf vom Auswärtsauftritt in Köln erneut das Vertrauen, nur der wieder genesene Bock rückte für Fassnacht in die Startelf. Bei Halle kehrte Kapitän Mai nach längerer Verletzungspause zurück. Und sein Team zeigte von Anpfiff an, dass man hier keinen Zentimeter preisgeben wollte. Es entwickelte sich ohne Vorgeplänkel sofort ein echtes Kampfspiel, in dem sich die griffigeren Gäste mehrere Standardsituationen erarbeiteten. Es brauchte nur bis zum dritten Eckball, und es stand 0:1. Sohm wurde sträflich allein gelassen und schrieb mit seinem wuchtigen Kopfball ein weiteres Kapitel in Jenas desaströser Gegentorserie nach Standardsituationen. 

Doch wie schon im Heimspiel gegen Hansa Rostock, wie nach dem Rückstand in Köln: Die Reaktion der Blaugelbweißen auf das Gegentor war vorbildlich, keine Spur von Verunsicherung oder Verzweiflung, es wurde das Heft in die Hand genommen und nach und nach mehr Spielkontrolle erlangt. Zunächst scheitert Bock mit Kopfball aus Nahdistanz. Kurz darauf hat Raphael Obermair den Ausgleich auf dem Fuß, als er nach einem perfekt ausgespielten Konter das ebenso perfekte Anspiel Gabrieles nicht in die Maschen setz. Vier Minuten später umgekehrte Vorzeichen, diesmal bringt Obermair eine Hereingabe von der rechten Seite in den Rücken der Abwehr, wo Gabriele den Ball direkt aufs Tor zieht, aber eine Hallesche Hacke das Leder eine ungünstige Richtungsänderung gibt. Jena war jetzt im Spiel, und hatte nach einer guten halben Stunde auch Eckengleichstand erzielt, doch Bock erwies sich mit dem Kopf erneut als nicht treffsicher genug (33.). Und Halle? Agierte kontrolliert, blieb giftig, konnte sich aber bis zum Seitenwechsel keine einzige weitere Tormöglichkeit erspielen. Der Rückstand zum Seitenwechsel war höchst unglücklich. 

Im zweiten Durchgang setzten die Gäste das erste offensive Achtungszeichen: Hanschs abgefälschter Distanzschuss (55.) sollte ihre einzige Gelegenheit des Spiels bleiben, welche nicht in einen Torerfolg mündete. Als nach 60 Minuten Julian Günther-Schmidt nach achtwöchiger Verletzungspause eingewechselt wurde, und sich Sekunden später gleich mit einem ins Toraus abgefälschten Schuss zurückmeldete, stieg die Stimmung unter den 8.212 Zuschauern, lag der Ausgleich gefühlt in der Luft. Und hätte Schiedsrichter Exner auf den Elfmeterpunkt gezeigt, als Obermair sich den Ball am Gegenspieler vorbei legte, dieser aber den Weg versperrte und Jenas Nummer 31 auflaufen ließ (66.), hätte die Begegnung ganz andere Bahnen nehmen können. Stattdessen zerstörte Jopek mit einem perfekt getroffenen Sonntagsschuss aus der Drehung Jenas Hoffnungen (70.). 

Rico Schmitt versuchte mit der Hereinnahme von Anton Donkor noch einmal frischen Wind in Jenas in der zweiten Hälfte insgesamt zu blassen Offensive zu bringen, doch außer Käupers Pfostenschuss nach Kirchers flacher Hereingabe (88.) gelang es kaum noch, die nun routiniert verteidigenden Gäste in Bedrängnis zu bringen. Stattdessen kam es in der Schlussminute noch dicker, als der kurz zuvor eingewechselte Ex-Bundesligastürmer Boyd mit einem langen Ball gefüttert wird, diesen aus 30 Metern am weit herausgeeilten Coppens vorbei schiebt und seelenruhig zuschauen kann, wie er ins leere Tor trudelt. Ein bitterer Schlusspunkt unter ein Spiel, in dem der Aufstiegsaspirant aus Halle vor allem durch seine Abgezocktheit überzeugte. Ebenjene Qualität, die Jenas Kickern heute abging. In sieben Tagen geht es weiter für die Schmitt-Elf, wenn man zur zweiten Mannschaft von Bayern München reist. Dann leider ohne René Eckardt, der seine fünfte gelbe Karte kassierte. 

 

Trainerstimmen:

Torsten Ziegner: Es war für uns das erwartet intensive Spiel mit ordentlichen Zweikämpfen auf schwerem Geläuf. Ich muss meiner Mannschaft ein Riesenkompliment machen, weil sie die Strategie perfekt umgesetzt hat und diese auch aufgegangen ist. Wir wollten defensiv stabil stehen. Wir haben extrem wenig Chancen zugelassen und ansonsten wenig zugelassen. Uns hat dieses frühe Standardtor in die Karten gespielt und wir waren dann sehr effektiv. Wir haben uns diesen Sieg verdient. 

Rico Schmitt: Wir haben uns das alle ganz anders vorgestellt, 3:0 klingt natürlich sehr deutlich. Uns hat in den ersten 10 Minuten etwas der Mut gefehlt, wir haben da viele Standards kassiert. Und trotzdem muss ich meiner Mannschaft ein Kompliment machen, wie sie die Sache nach dem Rückstand angenommen hat. Wir hatten einige sehr sehr gute Situationen in der ersten Halbzeit, wo uns der letzte Tick fehlte. Gegen einen abgezockten, kompakten Gegner wurde es dann schwerer. Gerade in der Phase, wo wir das Spiel optisch im Griff hatten, und Raphael Obermair verletzungsbedingt kurz vor der Auswechslung steht, fällt das 0:2 zu einer Unzeit. Im Anschluss hatten wir noch Einschusschancen, konnten daraus aber kein Kapital ziehen. Das Ergebnis macht es natürlich nochmal schwerer, aber es haut uns nicht um. 

 

FC Carl Zeiss Jena: Coppens - Hammann, Volkmer, Maranda - Bock (76. Donkor), Obermair (70. Kircher) - Schau, Käuper, Eckardt - Gabriele (60. Günther-Schmidt), Pagliuca

Hallescher FC: Eisele, Vollert, Bahn, Papadopoulos, Sohm (85. Boyd), Drinkuth (60. Mast), Hansch, Jopek (79. Guttau), Mai, Landgraf, Nietfeld

Tore: 0:1 Sohm (10.), 0:2 Jopek (70.), 0:3 Boyd (90.)

Zuschauer: 8.212

Schiedsrichter: Florian Exner

 

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