28.09.2025Zur Einordnung der Geschehnisse im Rahmen des Heimspiels unseres FC Carl Zeiss Jena gegen den Chemnitzer FC nimmt unser Club wie folgt Stellung:
Mehr als 8.000 Zuschauer im Paradies, ein Traditionsduell zweier Spitzenteams und ein am Ende wiederholt erfolgreicher FC Carl Zeiss Jena, der vor heimischem Publikum zu begeistern wusste und mit einem 2:0 gegen den Chemnitzer FC seine weiße Heimweste behielt. Getrübt wird dieser Eindruck jedoch durch die fast 45-minütige Spielunterbrechung zu Beginn der Partie.
Das gestrige Spiel zwischen unserem FC Carl Zeiss Jena und dem Chemnitzer FC stand kurz vor einem Abbruch. Dabei bestand für die über 8.000 Zuschauerinnen und Zuschauer zu keinem Zeitpunkt eine unmittelbare Gefahr für Leib oder Leben. Diese Erwähnung ist essentiell, da alle Bemühungen und Vorbereitungen für ein Fußballspiel durch diesen zentralen Gedanken geleitet werden. Schlussendlich hat das Anbringen der Banner über die Fluchttore bedeutenden Einfluss auf dieses zentrale Ziel aller Verantwortlichen, die sich im Rahmen behördlicher und gesetzlicher Bestimmungen in persönlichen Haftungssituationen befinden. Daher ist - bei aller Emotionalität im Fußball - eine sachliche Betrachtung des Vorfalls angebracht, um unter Einbeziehung verschiedener Perspektiven den tatsächlichen Ablauf nachvollziehen, damit verstehen und somit auch zukünftig verhindern zu können.
Vorab möchte sich der FC Carl Zeiss Jena bei allen Personen entschuldigen, die aufgrund der Spielunterbrechung Beeinträchtigungen zu erleiden hatten. Leider haben unsere präventiven Maßnahmen zur Vermeidung der Situation nicht derart Wirkung entfaltet, wie wir uns dies gewünscht und vorgestellt hatten. Wir können jedoch versichern, weiterhin mit allen Beteiligten nicht nur im konstruktiven Austausch zu verbleiben, sondern darüber hinaus verstärkt versuchen werden, auch den direkten Dialog zwischen denjenigen Anspruchsgruppen zu forcieren, die es zu einem sicheren – aber auch stimmungsvollen – Heimspielerlebnis allesamt (!) benötigt.
Zur Einordnung des Gesamtkontextes:
- Im Sicherheitskonzept des neuen Stadions ist, aufbauend auf dem gesetzlichen Rahmen der Versammlungsstättenverordnung, eine Entfluchtung der Zuschauer im Gefahrenfall auch in den Innenraum vorgesehen und vorgeschrieben. Dies betrifft sämtliche Zuschauerblöcke, weswegen erhebliche Kosten für die Absicherung der Fluchttore durch zusätzlichen Ordnungsdienst aufgewendet werden müssen.
- Für den Bereich der Südkurve bzw. der organisierten Fanszene dienen die Fluchttore C 14 sowie C 15 als Entfluchtungstore in den Innenraum.
- In der Saison 2024/25 wurde weitestgehend ein Zustand geduldet, bei dem die überhängten Fluchttore durch zusätzlichen Ordnungsdienst und Brandwachen abgesichert wurden, die im Gefahrenfall angewiesen waren, innerhalb kürzester Zeitspanne eine Passierbarkeit der Fluchttore – entweder durch Abnahme oder Durchtrennung dort hängender Banner – herzustellen. Ein solches Vorgehen ist auch aus anderen Stadien bzw. Standorten bekannt.
- Dieser Zustand wurde von Seiten der verantwortlichen Behörde mehrfach bemängelt und zunehmend widerwillig mitgetragen, nachdem in der vorangegangenen Saison mehrfach durch Vorfälle mit Pyrotechnik eine Gefährdungssituation von der verantwortlichen Behörde identifiziert wurde. Insbesondere – aber nicht ausschließlich – seien hier auch die Vorfälle benannt, bei denen Pyrotechnik gezielt aus dem Gästeblock in den Bereich der organisierten Fanszene geschossen wurde, was das Maß der Unkontrollierbarkeit für alle Seiten objektiv erhöht.
- In der Nachbetrachtung der Saison 2024/25 wurde mit den behördlichen Funktionsträgern – letztlich auch im Konsens darüber, die Südkurve am angestammten Standort zu halten – über Verbesserungen organisatorischer und baulicher Art beraten. Alle Seiten waren und sind sich einig darin, dass solche Potenziale bestehen. Auch der FC Carl Zeiss Jena hat sich mit professioneller Beratung mit einem eigenen Konzept an diesen Gesprächen konstruktiv und aktiv beteiligt und konkrete Vorschläge eingebracht.
- Als weiteres Ergebnis wurde zur Saison 2025/26 auch ein Eskalationskonzept als zusätzlicher Bestandteil in den Auflagenbescheid für die Durchführung der Heimspiele aufgenommen. Es sieht vor, bestimmte Gefährdungspotenziale, die am Spieltag identifiziert werden, zu erkennen und angemessen bzw. stufenweise darauf zu reagieren. An diesem Eskalationskonzept hat der FC Carl Zeiss Jena ebenso aktiv und maßgeblich mitgewirkt. Auch hier sei uns ein Verweis auf die Maxime für die Durchführung unserer Heimspieltage („alle kommen gesund nach Hause“ ) erlaubt.
- Im Frühsommer wurde ein „Durchbruch“ mit der organisierten Fanszene erzielt, die wesentlichen Banner so zu präparieren, dass eine Durchlässigkeit der Fluchttore möglich wird. Dieser Prozess wurde im Zuge der durch die Stadt und ohne Absprache mit dem Verein erteilten Hausverbote aufgekündigt, was uns in einem Lösungsprozess leider zurückwarf.
- Aufgrund der fehlenden Auswärtsfans bzw. eines geschlossenen Auswärtsblocks in den ersten drei Saisonheimspielen konnte neuerlich eine Duldung der Durchführung der Spiele mit den aus der vergangenen Saison bekannten Unterstützungsmitteln erreicht werden. Nichtsdestotrotz war klar, dass eine Duldung spätestens mit dem ersten Spiel „erhöhten Risikos“, somit gegen Chemnitz, ihr Ende findet.
- Mit der Kommunikation dieses Umstands seitens Ordnungsamt/Feuerwehr an den FCC und von diesem in die Fanszene war allen Beteiligten die Ausgangslage des gestrigen Spiels klar kommuniziert und bekannt.
Die Zielstellung, eine freie Passierbarkeit der Fluchttore zu erlangen, stellt demnach keine kurzfristige Reaktion oder repressive Maßnahme dar, sondern entspricht im Wesentlichen auch der erwähnten Zielstellung des FC Carl Zeiss Jena.
Auch die Durchführung der zuvor stattgefundenen Demonstration in der Jenaer Innenstadt hat keinen unmittelbaren Bezug zum gestrigen Geschehen.
Ergänzend zum gestrigen Spiel:
- Die Durchführung einer Choreo am gestrigen Tag war angemeldet. Wenngleich einzelne Bestandteile der Choreo zum verspäteten Anpfiff geführt haben, ist der Anlass der Spielunterbrechung gemäß unseren Ausführungen zum Gesamtkontext der Entwicklungen von der Durchführung der Choreo unabhängig zu betrachten.
- Mit Abbau der Choreo wurde sichtbar, dass die Fluchttore erneut zugehangen und somit blockiert waren.
- Das Schiedsrichterteam wurde daher auf behördliche Anweisung darüber in Kenntnis gesetzt und angewiesen, das Spiel nicht fortzuführen, bis der angemahnte Zustand beseitigt wird.
- Auf Grundlage des angesprochenen Eskalationskonzeptes haben wir als FC Carl Zeiss Jena alles in unserer Macht stehende versucht, eine Lösung zu vermitteln – die jedoch nur im Freimachen der Fluchttore bestehen konnte.
- Wir danken allen Beteiligten im gestern einberufenen Krisenstab für das professionelle und strukturierte Vorgehen; halten es indessen aber auch für wichtig, auch der Südkurve unseren Respekt für das Abhängen der Banner auszusprechen, wenngleich wir uns dies vor Eintreten einer Eskalation gewünscht hätten.
Daher gibt es durchaus positive Signale, die wir aus diesem Spiel im Vorgriff auf das anstehende Spitzenspiel am Mittwoch gegen den 1. FC Lok Leipzig mitnehmen dürfen. So möchten wir die Bereitschaft aller Seiten hervorheben, sich kurzfristig einem weiteren Dialog zu stellen und lösungsorientiert zu arbeiten. Der FC Carl Zeiss Jena wird dies aktiv begleiten und weitere Gespräche initiieren. Daher arbeiten wir nun an einer reibungslosen Durchführung des anstehenden Spitzenspiels, für das uns nur wenig Zeit zur Verfügung steht. Nach dem Spiel am 1.10. gegen den 1. FC Lok Leipzig werden wir uns dann zur weiteren Entwicklung äußern.
Der FC Carl Zeiss Jena wird mit Blick auf seine Fans, Mitglieder, Sponsoren und nicht zuletzt Spieler und Trainer, alles daransetzen, dass Gesprächskanäle offen bleiben und wir wieder gemeinsam dazu kommen, dass der Fußball im Mittelpunkt steht.