U19 macht den Wiederaufstieg in die Bundesliga durch Sieg gegen den VfB Lübeck perfekt

24.06.2018

"Lucky Punch" zum 1:2 gelingt in der Nachspielzeit

Als der Schiedsrichter die Partie abpfeift, brechen bei der Jenaer Mannschaft alle Dämme: Jubelschreie dröhnen durch die altehrwürdige Lübecker Lohmühle, Spieler und Trainer liegen sich den Armen, es kullern Tränen der Freude. „Geil, einfach nur geil! Darauf haben wir die ganze Saison hingearbeitet“, sagt Torhüter Lukas Sedlak zum „vollkommen verdienten Sieg“ seiner Mannschaft.

Nach dem 1:1-Unentschieden im Hinspiel, gewann der FC Carl Zeiss Jena das Rückspiel der Aufstiegsrelegation zur A-Junioren-Bundesliga Nord/Nordost beim VfB Lübeck mit 2:1. Das goldene Tor erzielte Torjäger Vasileios Dedidis in der Nachspielzeit. „Mein Vater sagt: Wenn du den Ball hast, sollst du nicht denken, sondern schießen – du bist Stürmer, du musst schießen“, betonte Dedidis schmunzelnd. Diesen Rat befolgte er: Als er seinen Gegenspieler nach einer „Körperfinte“ hinter sich ließ, hämmerte er den Ball unmittelbar freistehend von der Strafraumgrenze aus ins Tor. Lübecks Schlussmann Tom Louis Bleck hatte keine Chance. In der sich dann bildenden Spielertraube, lag diesmal sogar der Trainer. „Das war ein unfassbarer Glücksmoment“, sagte Georg-Martin Leopold freudestrahlend. Zeiss war gut in die Partie gestartet und stand vor allem in der Defensive sicher. Lübeck kam im ersten Durchgang zu keinen gefährlichen Möglichkeiten. Auf der Gegenseite bescherte der erste Jenaer Angriff in der 16. Minute sodann die Führung: Laurens Zintsch, der zwei Verteidiger auf der rechten Außenbahn umkurvte, drosch das Spielgerät aus spitzem Winkel passgenau zwischen Tormann und kurzen Pfosten hindurch in die Maschen. „Wir hatten das Spiel im Griff“, resümierte Leopold die erste halbe Stunde. Doch in der 31. Minute durchbracht schließlich Lübecks Kenny Korup die Jenaer Abwehrreihe und kam im Sechszehner zu Fall; FCC-Kapitän Luis Allmeroth sah die rote Karte. Das Torhüter Lukas Sedlak den Strafstoß souverän parierte, gab der verbliebenen Zeiss-Zehn Rückwind. „Das hat uns noch stärker werden lassen“, betonte Leopold. Nach dem Seitenwechsel agierte Jena auch weiterhin mutig mit zwei Spitzen. Die sich aufgrund der Unterzahl eröffnenden Räume im Mittelfeld nutzten die schnellen Hanseaten, die zu mehreren hochkarätigen Chancen kamen und schließlich durch Lucas Will in der 65. Minute ausglichen – 1:1. Mit zunehmender Spieldauer ebbte die Lübecker Offensivwelle jedoch ab. In den letzten zehn Minuten starteten die Blau-Gelb-Weißen mit „zweiter Luft“ mehrere schnelle Gegenstöße. Mit bekannten Ausgang: der letzte Konter gelang! Kapitän Luis Allmeroth, der Zweidrittel der Spielzeit vor Nervosität zitternd von der Tribüne aus zuschauen musste, fiel mit dem Schlusspfiff eine große Last von den Schultern. Nachdem der Schiedsrichter ihm die rote Karte gezeigt hatte, schossen dem Verteidiger Tränen in die Augen. Dass er im wichtigsten Spiel der Saison vom Platz gehen musste, schmerzte sehr. „Ich habe gedacht, dass jetzt alles vorbei ist“, sagt er. Doch als die Mannschaft in der Halbzeit in die Kabine kam, verschwanden alle Zweifel jäh. „Sie waren heiß, wollten sofort wieder rausgehen“, sagte Allmeroth, der sich vom Optimismus seiner Kollegen mitreißen ließ. Torhüter Lukas Sedlak betonte: „Ich habe gewusst, dass unser Team das schafft. Ich habe nicht einmal daran gedacht, dass wir heute verlieren – wir sind starke Charaktere!“

Nach dem Bundesliga-Abstieg im vergangenen Jahr hatte die Mannschaft einige Zeit gelitten, dann aber zu kämpfen begonnen. Der Umstieg auf die Regionalliga sei schwierig gewesen. „Wir sind schlecht gestartet und mussten uns anpassen“, erinnerte Vasileios Dedidis. Das bekräftigt auch der Kapitän: „Der Anfang war steinig. Doch es wird belohnt, wenn man bis zum Ende hart arbeitet“, sagte Allmeroth. In der Bundesliga selbst wird in der kommenden Saison nur ein Teil der Aufstiegsmannschaft antreten – klar. Mancher wechselt den Verein, andere in den Seniorenbereich des Klubs. Auch für das Trainergespann Georg-Martin Leopold und Marco Jähnisch und war es das letzte Spiel. Bereits in dieser Woche begann „Leo“ seine Ausbildung zum Fußballlehrer. Nach elf Jahren im Paradies wird er fortan keine Mannschaft trainieren. „Es ist sozusagen der krönende Abschluss“, sagte er. Zur Freude über den Aufstieg, gesellt sich daher auch Wehmut, denn: „Die Jungs sind mir ans Herz gewachsen!“

Möglich machte den Aufstieg das große gegenseitige Vertrauen zueinander; im vergangenen Jahr seien Mannschaft, Trainer und Funktionsteam eng zusammengewachsen. Alle Spieler verbesserten sich. „Jeder hat sich dem gemeinsamen Ziel verschrieben – auch, weil es uns keiner zugetraut hat“, sagte Leopold stolz.

 

FC Carl Zeiss Jena: Lukas Sedlak – Eric Voufack, David Schirner, Luis Allmeroth, Max Gottwald, Nils Halbauer, Paul Maximilian Hein, Laurens Zintsch (67. Clemens Berg), Vasileios Dedidis, Marc Schröder, Levin Tietze. 

VfB Lübeck: Tom Luis Bleck - Kenny Korup, Dennis Johann Tiessen, Hendrik Willhelm, Bombeck, Jona Noel Vogt, Lucas Will, Corvin Bock, Rinol Lahu (58. Ferhat Sarigolu) , Yusif Musbau, Til Martin Weidemann, Krenar Svirca. 

Zuschauer: 1164. Besondere Ereignisse: Rote Karte (Allmeroth; 31. Minute).

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